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Eine Ebene höher

Der Ringelspitz ist mit 3247 Meter Höhe der höchste Punkt des Kantons St. Gallen und liegt an der Grenze zu Graubünden. Nach meiner Segnas- und Martinsloch-Tour war diese Besteigung der Höhepunkt meiner Tagestouren entlang der Glarner Hauptüberschiebung. Als Tagestour ausgeführt ist es bedeutend angenehmer, wenn man eine Fahrbewilligung für den Kunkelspass löst und 300 Höhenmeter oberhalb von Langwis (Fahrverbot ab Punkt 1063m) starten kann. Auch so sind noch über 2000 Höhenmeter und 20 Kilometer Laufdistanz zu überwinden, wobei man die meiste Zeit das weit entfernte und nicht näherkommen wollende Ziel vor Augen hat...

Die Fahrbewilligung ist auf der Gemeindeverwaltung in Tamins erhältlich (2012: CHF 15), von wo man auch am schnellsten über die sehr enge Fahrstrasse auf den Kunkelspass reist. Ein paar wenige Parkplätze gibt es 150 Meter westlich der Alp Überuf. Da die Sonne noch hinter der Calanda versteckt war, konnten wir die 650 Höhenmeter zur Ringelspitzhütte SAC und damit zum Kaffee in genau einer Stunde bewältigen (T2).

Weiter geht es über einen der mehreren Pfade unter dem Baldachopf entlang bis zu einer Wegverzweigung auf etwas 2050 Meter Höhe - den linken Pfad zum tief eingeschnittenen Bach wählen. Bald überquert man diesen auf einer interessant angelegten Wasserfassung: die kleine Schlucht wurde durch eine rund 10 Meter hohe Mauer und mit Schutt gefüllt; es ist ein Rost zu begehen. Nun über Weideflächen bis unter die Ostwand des Morchopfs. An der Stelle, wo eine natürliche Brücke den Bach überwindet, teilt sich der Weg: die besserer Wegspur führt über diese Brücke und östlich dem Bach entlang aufwärts nach Sandböden (eine zügige Stunde ab der Hütte, T3).

Die Schwemmebene wird spurlos gequert (einzelne Steinmänner) und der grasige Rücken, der vom Ringelspitz und dessen Mittelgrat hinunterzieht anvisiert. Bald trifft man wieder eine Wegspur, die bis zum komplett (grob-)schuttbedeckten Rest des Taminser Gletschers führt (im oberen, auf dieser Route nicht begangenen Gletscherbecken eindrückliches Spaltensystem). An dessen östlichem (rechten) Rand steigt man um eine Felsstufe herum hoch, bis über feinschuttbedecktem Eis und Schutt die breite Schulter des Mittelgrats westlich von Punkt 2935 erreicht wird, ab hier wieder eher sinnlose Steinmänner, die zum einzelnen Felsen führen, der den Beginn der eigentlichen Mittelgrat-Kletterei markiert. Vor dem Fels kann auf dem noch breiteren Schuttgrat bequem Klettergurt angezogen, Stöcke und die bis hierhin sehr wahrscheinlich nicht verwendeten Steigeisen und Pickel deponiert werden (Steigeisen natürlich nur, wenn der Fels oben schnee- und eisfrei; eine Stunde Marschzeit ab Sandböden, T4).

Nach der Rast muss der Fels erklommen werden, ein Mini-II zum Aufwärmen. Der Schuttgrat steilt anschliessend kontinuierlich an und wird schmaler, bis er nicht mehr sicher zu begehen ist; Schutt macht fein-schiefrigem Felsen Platz. Meistens kann auf die westliche (linke) Seite ausgewichen werden, und man verwendet die Grat für die Hände. Einige Meter unter dem markanten, gelbem Kontaktband der Glarner Hauptüberschiebung beginnen spärlich gesetzte Bohrhaken den optimalen Weg über den Mittelgrat zu weisen. Ab dieser Stelle wollten wir am halblangen Seil gemeinsam gehen, zu viel Seilreibung verhinderte dieses Vorhaben allerdings. Deshalb verwendet man die Abseilstelle direkt am Kontaktband am einfachsten zum ersten Nachsichern (falls überhaupt).

Anschiessend geht man auf dem dann noch breiten Kontaktband rund 5 Meter nach links (Westen) und erklimmt den ersten Felsblock, der das Kontaktband verschmälert. Nun links aufwärts bis an die Wand. Dann einfach den breiten Rissen der davorliegenden Platte entlang rechts aufwärts bis unter die Mauer des Mittelgrats (zur Abseilstelle in der Ecke). Unter der Mauer geht man rund 10 Meter nach rechts, unter das Risssystem mit den beiden Bohrhaken. Standplatz ist keiner eingerichtet - hier war ich um einen Friend froh und zur Absicherung einer langen Bandschlinge um den grossen Felsblock direkt vor der Wand. Nahezu senkrecht 5 Meter hoch, III, gute Griffe, bis auf den Grat. Nun folgte die - für mich - Schlüsselstelle des Mittelgrats, eine rund 2.5 Meter hohe Stufe im Grat. Die beiden Bohrhaken zeigen den Weg, im oberen Bereich keine "richtigen" Griffe. Lieber wäre ich rechts um den Aufschwung oder direkt der Kante nach geklettert, aber ein solcher Pendelsturz in den Stand wäre nicht so toll.

Nun kurz dem hier flachen Grat entlang und beim folgenden Aufschwung rechts in ein feinschuttiges Couloir. Dieses hoch bis wenige Meter vor dessen Ende, bis links Bohrhaken durch einen breiten Riss hoch zurück zum Grat führen (II). Nun einfach über Blöcke und Schutt - zumeist links des Grats - bis an den finalen Felsgrat. Diesem entlang (I), teilweise in die Ostflanke ausweichend auf den höchsten Punkt und über einen kurzen Rücken auf den Verbindungsgrat zwischen Vorder Ringel und Ringelspitz. Wir sind nicht direkt auf den höchsten Punkt des Mittelgrats gestiegen, sondern haben entlang von schmalen Bändern die Ostflanke direkt in den kleinen Sattel Richtung Vorder Ringel traversiert - kein Vorteil, Schnee und keine Sicherungsmöglichkeiten (1.5 Stunden mit Sicherung in der zweier Seilschaft).

Für den Abstecher auf den Vorder Ringel nach rechts etwas rutschig den Felsen entlang absteigen und über den Schuttrücken auf den höchsten Punkt des - wegen der Tiefsicht auf den Gigerwaldsee sehr empfohlenen - Vorgipfels (hin und zurück 15 Minuten, T4+).

Vom Ende des Mittelgrats etwas rutschig über eine kurze Felsstufe hinunter und den Spuren entlang bis an das Drahtseil des Gipfelturms (T4). Nun dem senkrechten Drahtseil entlang in gut gestuften Felsen bis an die Turmkante, um diese herum und durch einen Riss zum Gipfelkreuz des Ringelspitz (II, 20 Minuten ab Mittelgrat bei Zweierseilschaft).

Vom Ringelspitz kann 15 Meter durch die Nordwand des Turms an alten Verankerungen abgeseilt werden. Auch am Mittelgrat vereinfachen zahlreiche Abseilstellen den Abstieg. Abgesehen von der obersten Stelle am Mittelgrat reichte unser 30 Meter Seil, dort wäre ein 40 Meter Seil ideal. Bei normalen Bedingungen kann dort allerdings problemlos, wenn auch etwas exponiert, abgestiegen werden; man gelangt bis zum Bohrhaken 5 Meter über der Abseilstelle. Nach mehreren Abseil- und Abstiegsmanöver ist man wieder beim Kontaktband und weiteren Metern entlang den abwärtsgeschichteten, exponierten Felsen (die losgetretenen Steine schiessen verdammt schnell nach unten auf den Gletscher) bald wieder beim Materialdepot (75 Minuten ab Gipfelturm). Im Abstieg zur Hütte (80 Minuten) und Kunkelspass (45 Minuten) haben wir teilweise Abkürzungen auf weicheren Grasweiden genommen.

Die Zeiten in Klammern sind Marschzeiten ohne die grösseren Pausen. Ausrüstung: 30m Seil, 3 Express, 1 Friend, Schlingen, Abseilgerät. Steigeisen falls Verhältnisse nicht optimal.
» GPS-Track (GPX)


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Vom Startpunkt am Kunkelspass: Sonnenaufgang am über 7 Kilometer Luftdistanz entfernen Ringelspitz.
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Felsturm Säsagit und Sennenstein.
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Vom Startpunkt am Kunkelspass: Sonnenaufgang am über 7 Kilometer Luftdistanz entfernen Ringelspitz - der unscheinbaren Felsformation hinten etwas rechts der Bildmitte.
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Kaffee gesichert: Ringelspitzhütte geöffnet.
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Geerdetes Rind.
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Friedliche Aussichtsterrasse der Ringelspitzhütte SAC.
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Auch von der Ringelspitzhütte ist der Ringelspitz zu sehen. Noch vergehen ein paar Stunden, bis wir dort oben ankommen. Vorder Ringel ist der markante Felsklotz, der das Ringelspitz-Bergmassiv gegen rechts abschliesst.
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Ringelspitz, rechts Vorder Ringel. Der markante Mittelgrat zieht zwischen diesen zu einem weiteren Felsturm hoch. Der unterste, breite Aufschwung des Mittelgrats wird links ausholend umgangen. Der schuttbedeckte Taminser Gletscher ist hier klar erkennbar.
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Ringelspitz, rechts Vorder Ringel, hier noch etwas näher.
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Der Lawoibach hat sich an mehreren Stellen tief in den Kalkstein gefressen.
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Auf dem Weg nach Sandböden.
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Auf dem Weg nach Sandböden - bereits wieder östlich des Bachs.
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Sandböden. Der weitere Aufstieg erfolgt auf Wegspuren auf dem Grasrücken unterhalb des Ringelspitz.
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Der Taminser Gletscher versteckt sich nahezu komplett unter Schutt. Man steigt an seinem östlichen Rand auf.
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Doch, es gibt ihn noch, den Taminser Gletscher.
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Auf dem Weg von Sandböden auf den Mittelgrat; bald geht es rechts hoch.
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Bergsteiger im Abstieg vom Mittelgrat. Sie haben den Felsen hinter sich gelassen, unter dem man am besten den Klettergurt anzieht.
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Ringelspitz - aus dieser Perspektive überhängend. Rechts Vorder Ringel. Dazwischen Mittelgrat.
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Am Rand des hier nur noch von feinerem Schutt bedeckten Taminser Gletschers geht es etwas aufwärts, dreht dann nach rechts ab und steigt über Schutt auf den Mittelgrat.
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Auf dem Schutt vom Taminser Gletscher auf den Mittelgrat.
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Auf dem Mittelgrat angelangt.
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Wie lange hält der noch durch? Das hellere Gestein unter dem Gipfel weist auf einen Felssturz vor nicht zu
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Mittelgrat, kurz vor dem Fels im Grat, der den Startpunkt des interessanteren Teils der Tour markiert.
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Das schmale Kontaktband der Glarner Hauptüberschiebung. Das obenliegende Gestein ist 200 Millionen Jahre (oder so) älter als das Gestein unterhalb des Bandes.
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Mittelgrat: Schuttgrat endet, es wird steiler. Es geht hier nicht etwa auf dem unscheinbaren Band nach links hoch, sondern weiter dem Grat entlang aufwärts.
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Auf dem Kontaktband angelangt, sichere ich meinen Kollegen erstmals nach.
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Auf dem gelben Kontaktband.
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Auf dem gelben Kontaktband der Glarner Hauptüberschiebung. Diesem etwas 5 Meter folgen, bis es schmal wird.
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Nun links auf diesen Block.
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Auf dem Kontaktband: bereits jetzt schöne Tiefblicke.
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Über Schutt geht es aufwärts.
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Bis zur ersten Kletterstelle, einer 5 Meter hohen Wand, die entlang eines Risses zum Grat zurück führt.
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