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Eine Ebene höher

Zwischen Speer und Federispitz unterwegs: Schafberg, Grappenhorn, Chüemettler und Gleiterspitz

Jedermann kennt Speer und Federispitz, viele haben diese bestiegen - aber praktisch niemand kennt den Schafberg und das (oder Mehrzahl - die?) Grappenhorn; es sind mit T5 auch keine Ziele für Bergwanderer. Der Chüemettler hingegen ist ein Aussichtsberg für den noch wenig ambitionierten Bergwanderer, der Gleiterspitz wiederum wird im Winter häufig mit Ski besucht, wobei wahrscheinlich auch nur wenige den tatsächlichen Gipfelbuckel erklimmen.

Nachdem ich zwei Monate zuvor in Mittlerwengi über zwei Meter hohen Schnee gestampft bin, und wenige Tage nachdem Rekordniederschläge von über 200l/m2 im Gebiet niedergingen, erwartete ich nicht unbedingt einen nach Plan verlaufenden, Erfolg versprechenden Bergtag. Aber alles lief tatsächlich nach Plan, wobei der noch grosszügig liegende Restschnee für Juni die Aufstiege auf die selten besuchten Gipfel Schafberg und Grappenhorn eher noch vereinfacht hat.

Für Mobile kommen als Ausgangspunkte Mittlerwengi oder Unterbogmen in Frage. Ich wählte letzteres, wobei ich via Schänis nach Rufi gefahren bin und wie jedes Mal die rechtzeitige Abfahrt von der Umgehungsstrasse verpasst habe; nach ein paar Hundert Meter kann man beiseits der Hauptstrasse zur Bergstrasse zurückfahren. Bei Punkt 539 fährt man geradeaus und erreicht zahlreiche Kurven auf schmaler, geteerter Strasse schliesslich Unterbogmen mit wenigen Parkplätzen (es finden sich weitere Parkmöglichkeiten vor und nach Unterbogmen). Wegen den heftigen, lang anhaltenden Niederschlägen vom vorhergehenden Wochenende waren einige Fahrstrassen wegen Erdrutsch gesperrt und auch die Bergstrasse musste repariert werden.

Der markierte Bergwanderweg führt über offenes Weidegelände die 250 Höhenmeter zur Alpwirtschaft Oberbogmen, die zu meiner Überraschung geöffnet hatte. Etwas südlich der Hütten teilt sich der Weg, ich wähle die Route zum Chüemettler, steige aber bald in Nähe des bewaldeten Graskamms empor, um den Gleiterspitz nicht zu verpassen. Selbst so muss man auf darauf achten, den Grasbuckel nicht zu verpassen, denn die Kuhpfade verleiten einem dazu und es führt keine Spur auf den höchsten Punkt. Wegen den Bäumen hält sich die Aussicht auch in Grenzen.

Weiter dem Kuhpfad entlang absteigend wird kurze Zeit später die Gleiterhütte beim Sattel Punkt 1493 und damit der markierte Weg erreicht.

Vom Sattel zwischen Gleiterspitz und Chüemettler beginnt die alpine Route durch die steile, gras- und felsdurchsetzte Nordostflanke des Chüemettlers. Einige Eisenstifte, Stangen und dünne Drahtseile helfen über exponierte Stellen mit bei Feuchte glitschigen Nagelfluhfelsen - und die Feuchtigkeit bleibt bei dieser Exposition lange bestehen. Die Wegspur ist dort, wo sie breiter ist, häufig mindestens zur Hälfte angerissen und wird irgendwann abrutschen. Im Juni 2013 musste ich nur über ein Schneefeld steigen, dieses war auf der linken, weniger steilen Seite stark unterhöhlt. Die alpine Route erreicht den Südwestgrat rund 50 Meter vor dem Gipfel. Die Aussicht vom Chüemettler auf die tief gelegene Linthebene und Zürichsee ist vergleichbar mit derjenigen vom Federispitz: gegen Norden ist kein Berg auch nur annähernd so hoch - fast wie fliegen.

In wenigen Minuten ist über erdige Wegspur das Furggli erreicht, von wo ostwärts in weniger als eine Stunde auf gutem Weg nach Mittlerwengi abgestiegen werden könnte. Da auf dem Weg via Trüebsiten nach Oberbetruns noch Schnee lag, traversierte ich auf Viehspuren zum Westausläufer des Grappenhorns. Damit war ich eigentlich auf 1620 Meter Höhe direkt auf der richtigen Höhenlinie um auf vereinzelten Wegspuren die Hangtraverse vom Grappenhorn zum Einstieg in das Chämi zu erreichen. Es lag allerdings noch viel Schnee und auf mehrere Hundert Meter ein entweder hartes oder zu weiches Schneefeld zu queren hatte ich wenig Lust; also stieg ich 60 Höhenmeter ab und zur Falllinie vom Chämi auf. Über eigentlich recht guten Trittschnee gelangte ich mit Steigeisen ausgerüstet an den kurzen Nagelfluhkamin des Chämi - mit Steigeisen war die erste Schwierigkeit problemlos zu meistern, die Eisen wurden oberhalb dieser ersten Stelle deponiert. Über lose Steine und unzuverlässige Begrenzungsfelsen die Rinne hoch bis an eine senkrechte Stelle. Diese über Gras links (östlich) umgehen. Man bleibt auf exponierter Trittspuren auf der östlichen Seite des Chämis und erreicht bald die Gratkante (T5).

Über Nagelfluhplatten, die südausgerichtete Grasflanke und Spuren am Grat wird der Schafberg mit Gipfelkreuz und Gipfelbuch recht exponiert erreicht (T5).

Im Abstieg empfand ich die grasig-schuttige Umgehung der erwähnten senkrechten Stelle am unangenehmsten, der Grat selber schien im Abstieg einfacher als im Aufstieg. Die unterste Stelle des Chämi kann stemmend gut abgestiegen werden.

Ich traversierte nun auf einer Höhe von 1620 Meter nördlich des Schafbergs die mittlerweile weicheren Schneefelder und erreichte bald das Tälchen, das vom (westlichen) Grappenhorn hinunterzieht. Über die Grashänge der Sonnenseite wird der grasige Aufbau des Westgipfels Punk 1743 erreicht, der am einfachsten über den Südwestrücken erklommen wird.

Eine schmale aber gute Wegspur führt über den hübsch exponierten Ostgrat hinüber zum Felskopf des Grappenhorn Ostgipfels, Punkt 1741. Schon fast wäre hier am Nordwestfuss des Gipfelfelsens Schluss gewesen, als ich mich entschied mit Steigeisen dem Nordabbruch der Felsen zu folgen und damit den vom Speer kommenden Grat zu erreichen. Hierzu waren ein abschüssiges, von der Schneeschmelze nasses Grasband und grosse Schneereste mit eindrücklichem Tiefblick ins Wängital zu überwinden. Dies funktionierte und war möglicherweise sogar einfacher als im Sommer, da beispielsweise der sandig-schmierige Abschnitt zumeist unter Schnee lag (die grosse Schneewehe wies allerdings einen Riss auf, deshalb ging ich möglichst nahe an den Felsen, teilweise oberhalb des Schnees). Von Osten her ist das Gipfelkreuz des Grappenhorns problemlos über Trittspuren in der steilen Südflanke zu erreichen; im Gras habe ich die Steigeisen gleich anbehalten und konnte den ersten Eintrag ins kleine Gipfelbüchlein für 2013 machen.

Der Abstieg vom Grappenhorn-Ostgipfel nach Oberbetruns war über Schneefeldsurfing rasch vollbracht. Von Unterbetruns folgt ein rund 100 Höhenmeter langer Gegenanstieg durch den Stägewald. Dieser weiss-rot-weiss markierte Wegabschnitt ist durch Ketten entschärft. Von Oberstöck führen lose Wegmarkierungen über Weiden hinunter und nach Unterbogmen.

Es war eine schöne, einsame Tour an den Voralpenbergen über der Linthebene. Faszinierend war der regelmässige Wechsel von zahmen Weidegelände und nicht zu unterschätzenden Felspassagen. Und nicht zuletzt erlauben die jäh abbrechenden Nagelfluebänder berauschende Tiefblicke; ideal für den Saisoneinstieg.
» GPS-Track (GPX)


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In der Bildmitte Chüemettler mit der zu durchsteigenden Nordwestflanke. Rechts Federispitz.
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Alpbeiz Oberbogmen.
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Fast vorbeigelaufen: höchster Punkt des Gleiterspitz.
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Schöner offener Wald beim Gleiterspitz.
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Chüemettler Nordgrat und Nordwestflanke von der Gleiterhütte. Hier geht's jetzt durch.
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Erdige Passage in der Nordwestflanke des Chüemettlers.
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Nordwestflanke des Chüemettlers: die besten Nagelfluh-Griffe waren immer schon besetzt!
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Nordwestflanke des Chüemettlers: die besten Nagelfluh-Griffe waren immer schon besetzt!
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Nordwestflanke des Chüemettlers: Drahtseil hilft über Nagelfluh-Platte.
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Nordwestflanke des Chüemettlers.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Dort wo die Wegspur breiter ist, droht sie abzurutschen.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Die Markierung täuscht, es ist kein weiss-rot-weisser Weg, sondern ein weiss-blau-weisser.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Hier hinüber.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Dort wo die Wegspur breiter ist, droht sie abzurutschen oder ist bereits abgerutscht.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Nichts für nasse Tage, bei Vereisung oder nach Schneefall.
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Nordwestflanke des Chüemettlers.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Das einzige Schneefeld, über das ich zum Chüemettler von Norden her steigen musste ; möglichst rechts halten, links ist es tief unterhöhlt.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Das einzige Schneefeld, über das ich zum Chüemettler von Norden her steigen musste ; möglichst rechts halten, links ist es tief unterhöhlt.
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Nordwestflanke des Chüemettlers. Nahe des Ausstiegs.
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Tiefblick vom Chüemettler gegen Norden.
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Hier wird klar, aus welcher Platte der Chüemettler besteht. Rechts Grappenhorn, Bildmitte Speer.
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Grappenhorn vom Chüemettler. Es scheint eine Spur über den Nordgrat vom Furggli her zu geben, zumindest bis zur letzten Platte.
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Blick ins Chämi zum Schafberg vom Chüemettler.
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Grappenhorn vom Chüemettler. Ich bin später vom Grassattel nach hinten der Felswand entlang um den Gipfelkopf gestiegen.
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Furggli mit Nordgrat zum Grappenhorn und rechts Schafberg. Ich bin vom Furggli über die Schneefelder bis an den Gratausläufer am rechten Bildrand traversiert und habe so den Abstieg nach Oberbetruns umgangen.
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Auf dem Schneefeld unter dem Chämi.
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Im Chämi.
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Nach dem Schneefeld folgte ein kurzer Nagelfluh-Kamin, wobei eigentlich nur die untersten Tritte Probleme bieten, mit Steigeisen problemlos; diese blieben auf dem Bödeli in Bildmitte.
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Der folgende Abschnitt im Chämi ist weniger steil, dafür findet sich loses Gestein (mit ortsfremder Kalksteinplatte?).
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Blick vom Grat ins Chämi.
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Wer denke nach dem Chämi sei der Schafberg so gut wie geschafft, täuscht sich. Die folgende Nagelfluhplatte sieht auf den ersten Blick nicht sonderlich nach Gehgelände aus.
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Grat vom Chämi auf den Schafberg: Nagelfuhplatten wechseln mit Gras ab.
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