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Eine Ebene höher

Gipfelgrasen über dem Stoos

Der Sessellift vom Stoos auf den Fronalpstock bietet sich als Startpunkt für eine Gratwanderung bei hochsommerlichen Temperaturen an. Ein verbauter Wanderweg führt zum Chlingenstock, weiter östlich wird der Grat immer abenteuerlicher. Wetterbedingt verzichtete ich auf den Sisiger Spitz, dafür erklomm ich auf dem Rückweg die sehr selten besuchten Chalberstöckli und Firenstöckli.

Es sollte ein heisser Sommertag mit über 35°C werden - also nichts wie weg in die Berge. Doch waren diese im Juni 2013 noch tief hinunter verschneit. Also suchte ich das Optimum und suche zumindest ein hoher Startpunkt, welchen ich mit dem Fronalpstock oberhalb des Urnersees fand. Dank der Aktion eines Grossverteilers konnte ich günstig eine Tageskarte für die Stoosbahnen ergattern (Achtung an die Überschreiter: in der Talstation muss für die Karte ein 5.- Depot entrichtet werden). Dank den Bauarbeiten für die Felssicherung der Strasse ins Muotatal habe ich die Bahn verpasst und durfte fast eine halbe Stunde auf dem Holzbänklein abwarten - nicht gerade der motivationsfördernd, die wegen Müdigkeit sowieso schon ziemlich tief war: der Himmel war bedeckt, gegen Süden sogar schwarz, und die unverhofft stürmischen Winde auf der Sesselbahn und dem Grat taten ihr übriges.

Nun ja, auf dem Fronalpstock war ich wenigstens, nun versuche ich mein bestes oder gehe wieder arbeiten. Auf dem breiten, gut abgesicherten Weg durch an und für sich exponiertes Gelände zum Huser Stock musste ich häufig die festgezurrte Kopfbedeckung festhalten, die Windböen waren kühl und unangenehm - so hatte ich mir die Sommerabkühlung nicht vorgestellt! Dafür war zumindest bereits ab Fronalpstock die Einsamkeit vorprogrammiert.

Der breite T2-Pfad führt weiter über den Rot Turm zum Chlingenstock - dort verpasst man leicht den höchsten Punkt des gesamten Grats - zum Gipfelkreuz muss man den Weg verlassen - und zwar unmittelbar wenn die Bergstation in Sicht kommt vor dem Zaun - und über Grasstufen wenige Meter aufsteigen.

Den häufig begangen Bergwanderweg Stoos-Chlingenstock verlässt der Gratwanderer 200m östlich der Bergstation Chlingenstock. Wegspuren (Kuhpfade) führen auf die unbenannte Weidekuppe südlich vom nur 40 Meter tieferen Chalberstöckli. Von hier (Süden) aus ist die Besteigung des Chalberstöckli übrigens mindestens ein T6, wahrscheinlich über ein exponiertes Band in der Ostseite der Gipfelfelsen möglich. Über einen Grasgrat geht es einfach auf den höchsten Punkt des Hengst (ein Abstieg gegen Norden hinunter ins Böllenloch über das grasdurchsetzte, plattige Steilgelände scheint nicht vorhanden zu sein, oder zumindest T5).

Vom Hengst führt das Hengst Mürli, ein paar exponierte Meter über ein schmales Gratstück (T4-), auf den Weiderücken, der gegen das Firstli abbricht. Gegen Osten hin könnte nun über die Alpweide einfach zu den Mälchböden und von dort über den Kuhpfad nach Bärhalten abgestiegen werden.

Ungefähr dem Grat und dem Kuhpfad folgend geht es dem Lauchstock entgegen. Die letzten Meter dort hinauf sind felsdurchsetzt und weniger gestuft, T4-. Nun nimmt die Gratwanderung ein abruptes Ende, die Grat senkt sich 20 Meter senkrecht ab. Gegen Süden sind Abstiege zur Umgehung des Absatzes im T6-Bereich dokumentiert, im Sättelchen vor dem Gipfel entdecke ich ein an einem Baum angebrachtes Drahtseil, das steil in die Tiefe führt, sehe aber nicht wie weit und wohin es konkret führt. Vielleicht weiss jemand mehr über diese Variante?

Selber steige ich vom Lauchstock 120 Höhenmeter über steiles Weidegelände gegen Norden ab und umgehe die Felswand vom Lauchstock. Anschliessend arbeite mich den schuttigen Talkessel hoch um in der Nähe des Lauchstocks den Grat zum Sisiger Spitz zu erreichen. Spuren finde ich zwar im oberen Bereich keine, sehe aber auch keine weiteren Probleme den Grat nicht oberhalb T4 zu erreichen. Andererseits könnte man sich 50 Höhenmeter Abstieg über den scharfen Grat sparen, würde man direkt über die 45° steile Grasflanke in den tiefsten Punkt zwischen Lauchstock und Sisiger Spitz steigen. Nun, die Bäumchen auf dem Grat wurden durch den starken Wind arg geschüttelt, von Süden her wurde der Himmel dunkel. Aus Sicherheitsüberlegungen brach ich hier die Besteigung des Sisiger Spitz über den Westgrat ab und stieg zur Alp Füdlen ab.

Mälchstöckli (Rekognoszierung)
Anhand der Karte konnte ich mir einen Aufstieg auf das Mälchstöckli über den Nordgrat vorstellen; dies wollte ich mir nun genauer ansehen. Auf der Karte ist von Füdlen eine Wegspur um das Mälchstöckli eingezeichnet. Dabei handelt es sich um den früheren Bergwanderweg, der mittlerweile zumeist ausradiert ist. Mühsam geht es steilere, weglose Schuttflächen traversierend vorwärts, mehrmals auf Spuren entweder dem unteren oder oberen Weidezaun entlang (viel zu fressen gibt es dort wahrlich nicht). Der Weg ist nicht zu empfehlen, er bringt keine Abkürzung gegenüber dem Fahrweg.

Der Nordgrat des Mälchstöckli offenbart sich als steiler, von Bäumen bewachsener und mit kurzen Felsabsätzen durchsetzter Grat und nicht das erhoffte T4-Gelände; für längere Experimente ist mir nicht zumute. Ein Bergbauer verrät mir später den Wildheuerzugang, der von Osten her über pfadlose, felsdurchsetzte Grashänge den Nordgrat auf halber Höhe erreichen soll (ich schätze zwischen 1600 und 1640 Meter Höhe). Dann etwas traversieren und zum Gipfel hoch.

Auf dem Rückweg zum Stoos möchte ich mir das Chalberstöckli genauer anschauen. Ausser auf einen abenteuerlichen Zugang von Süden fand ich keine Wegbeschreibungen. Um zügiger vom Mälchstöckli vorwärts Richtung Stoos zu kommen, nehme ich nicht den Bergwanderweg über Füdlen nach Bärhalten, sondern steige 75 Höhenmeter ab zum Tröliger Boden und wieder über eine verwachsene Fahrstrasse hoch. Dem markierten Weg folgend durch den nordwestseitigen Steilhang des Firstli und vor Loch weglos aufwärts bis vor Ahöreli. Von hier wird klar, dass ich über den verlockenden Nordostgrat das Chalberstöckli versuchen muss, auch wenn dies möglicherweise 350 verlorene Höhenmeter bedeutet.

Chalberstöckli über Nordostgrat
Die Weide führt am Chalberstöckli Nordostgrat weit nach oben, nur wenige Meter vor die Stelle, wo der Grasgrat aufsteilt und nur noch einen halben Meter breit ist. Zuerst folge ich diesem, und komme an einen rund zwei Meter hohen felsigen Absatz mit Grasbüscheln mit unzuverlässigem Gestein. Besser scheint mir das Ausweichen über die mit Schutt und Platten durchsetzte Ostflanke zu sein. Über diese steige ich parallel zum Grat weiter hoch und entscheide mich rund 10 Höhenmeter oberhalb des erwähnten felsigen Absatzes über ein abschüssiges, plattiges Bändchen auf den Grat zu gelangen. Haltegriffe sind unzuverlässig, die teilweise vorhandene Grasnarbe dünn, T5. Oben angelangt findet sich in der Nähe meines Ausstiegs ein Holzpflock - sollte ich wirklich die zum Wildheuen übliche Route erwischt haben? Über saftiges Gras nun rasch zum Gipfel. In den Fotos finden sich ev. weitere Routenmöglichkeiten. Ich stieg die selbe Route ab, kürzte dann über die Nordflanke (Dolien) zur Alp Metzg ab.

Überschreitung Firenstöckli
Von Metzg sticht einem das Profil des Firenstöckli sofort ins Auge; eine Überschreitung muss her, nur 200 Höhenmeter extra; von Stoos ist aus ist sein Profil noch schöner. Von der Alp Spälten den Viehspuren folgend wird der Nordgrat erreicht. Er bricht gegen Westen in Felswänden ab und die Kante ist bewaldet. Deshalb folge ich der Kante über das gut gestufte Gelände des Weidehangs. Rund 20 Höhenmeter unter dem Gipfelkreuz endet die Weide und damit die Stufung. Um Legföhren und Alpenrosen geht es gut voran. Nach Überwinden des Stacheldrahtzauns und der Suche nach dem höchsten Punkt ist der Abstieg über den Südkamm nach Firenboden ein Kinderspiel.

Der markierte Bergwanderweg führt von Firenboden über eine Naturstrasse älteren Datums westlich um das Firenstöckli, erreicht den Wegabzweiger zum Huser Stock und führt westlich um den Holiberg herum. Der höchste Punkt des von Süden noch unspektakuläreren Holiberg entpuppt sich als Wasserreservoir, kotiert ist ein Punkt nordwestlich davon. Über die kurze "Nordostflanke" erreiche ich endlich die Fahrstrasse nach Stoos.

Trotz dem Start auf dem Fronalpstock konnte ich auf dieser Tour 1600 Höhenmeter akkumulieren und dabei auf undokumentierter Route das Chalberstöckli erreichen; so wurde der Tag auch ohne Westgrat des Sisiger Spitz ein voller Erfolg. Es ist eigentlich unglaublich, dass Berge mit zahmen Namen wie Chalberstöckli und Mälchstöckli sich bei der näheren Betrachtung als T5-Berge entpuppen.
» GPS-Track (GPX)


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Von Schlattli aus führt die Standseilbahn zum Stoos.
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Fjordlandschaft Vierwaldstättersee.
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Fjordlandschaft Vierwaldstättersee.
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Huser Stock von Westen.
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Der neulich ausgebaute Bergwanderweg Fronalpstock-Chlingenstock ist westlich vom Huser Stock angesichts des Tiefblicks wahrscheinlich für viele Wanderer noch nicht ausgebaut genug.
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Bergwanderweg Fronalpstock-Chlingenstock vor dem Huser Stock.
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Huser Stock von Westen.
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Bergwanderweg Fronalpstock-Chlingenstock im Bereich Huser Stock.
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Fronalpstock vom Huser Stock - mit Wanderpisten.
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Huser Stock. Hinten Chaiserstock, Fulen, Rossstock.
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Bergwanderweg Fronalpstock-Chlingenstock im Bereich Huser Stock; Blick zum Chlingenstock.
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Bergwanderweg Fronalpstock-Chlingenstock. Links der wenig spitze Rot Turm.
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Später überstiegen: Firenstöckli.
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Bergwanderweg Fronalpstock-Chlingenstock im Bereich Huser Stock; Blick zum Huser Stock.
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Wandergruppe auf dem Rot Turm, für sie fuhr der eigentlich geschlossene Sessellift zum Chlingenstock. Mit Gipfelkreuz: Chlingenstock. Rechts davon der weniger schön in die Flanke gehauene Bergwanderweg.
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Bergkette Chlingenstock-Fronalpstock.
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Farbklecks: Bergstation Chlingenstock.
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Chalberstöckli von Südwesten. Der Übergang vom Grat von Süden wird durch einen mehrere Meter hohen senkrechten Felsabsatz
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Chalberstöckli von Süden - zum Greifen nah. Später stieg ich nochmals von fast ganz unten auf das Chalberstöckli. Rechts der Felswand, dort wo eine weisse Linie auf einen Felsabbruch hindeutet, könnte ein sehr exponierter T6-Aufstieg möglich sein; vom Grasgipfel führt seinerseits ein schmales Bändchen in die Flanke.
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Urirotstock mit den an diesem Vormittag unerwarteten Schauerwolken. Davor Rophaien.
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Bergidylle.
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Chalberstöckli von Südosten. Später erreichte ich die Gipfelwiese über den Nordostgrat (rechts), wobei ich den Aufschwung unterhalb des markanten Bäumchen in der sichtbaren Flanke umging und den Grat wiederum direkt oberhalb des Bäumchens erreichte.
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Hengst von Westen.
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Hengst von Westen, links das anschliessende Hengst Mürli.
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Hengst Mürli.
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Hengst Mürli - recht schmal, Stockspitze beachten!
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Hengst Mürli: Rückblick gegen Westen zum Hengst.
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Der Grat vom Hengst über Lauchstock zum Sisiger Spitz.
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Hengst Mürli breitet sich eine Weidekuppe zum Firstli aus.
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Chalberstöckli von Südosten; später über den Grat rechter Hand erklommen (mit Abstecher in die Ostflanke um das markante Bäumchen).
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Der Druesberg ist schon fast schneefrei.
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Felswände mit Lauchstock. Hinten Sisiger Spitz.
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