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Eine Ebene höher

Gross Muttenhorn kreuzweise - auf allen 4 Graten unterwegs

Der Furkapass liegt eingebettet zwischen Klein Furkahorn im Norden und dem Blauberg im Süden. Auf dem Blauberg war ich noch nie und das zwei Kilometer weiter südlich gelegene Gross Muttenhorn war mein Tagesziel - was liegt also näher, als beides zu kombinieren? Das Resultat meiner Solotour sieht auf dem ersten Blick verwirrend aus: der ganze Nordgrat ist ohne Seilpartner nichts für mich, und der direkte Abstieg über den Muttgletscher lag wegen den unter Schneeresten verborgenen Spalten nicht drin. Alles in Allem verbrachte ich an diesem Tag über 8 Kilometer auf Graten. Zudem habe ich auf der ganzen Tour zu meiner Überraschung - Hochsaison! - keine Menschenseele angetroffen - was für ein Erlebnis.

Vom Furkapass steigt man als erstes ein paar Meter - für "frühmorgens" steil - vom Parkplatz ab - und denkt sich schon mal was man sich da für den Tag vorgenommen hat... Bald geht's auf unscheinbaren Wegspuren durch die Nordflanke des Blaubergs, verliert die Spur und quert gegen links oben zu einem Band, über das man auf einer Höhe von 2630 Meter den Nordostgrat und wieder Webspuren erreicht. Auf diesen weiter auf den Blauberg, von dem man eigentlich nicht weiss, welches nun der höchste Punkt sein soll. Bis hier T3, wenn man einen geschickten Einstieg in das breite Band erwischt.

Weiter dem Grasgrat des Griegufergrats entlang, bis Schutt überhand nimmt. Ein paar felsige Passagen stellen sich in den Weg und müssen kraxelnd bewältigt oder umgangen werden. So geht es weiter bis zum 2904 Meter hohen Blauberggrat (dieser wird hier zumindest so genannt; kein Name auf der Landeskarte). Eine erste leichte Kletterpassage führt hinunter in den Blaubergpass - nun wird die Geschichte deutlich alpiner (T4).

Für die weitere Begehung des Nordgrats vom Gross Muttenhorn vermisste ich einen Seilpartner - IIIer Stellen liegen auf dem Weg. Das hiess also vom Blaubergpass 450 Höhenmeter gegen Osten durch einen schönen Talkessel abzusteigen (Wasser ab Bergbächen), unter den Moränen durchzuqueren und über den Ostgrat auf das Gross Muttenhorn zu kraxeln. Dies geschieht meistens auf dem verbreitet recht breiten Blockgrat, im unteren Bereich auch manchmal auf der grasigen Südseite. Schwierigkeiten bieten eigentlich einzig die letzten 20 Höhenmeter, wo die Gratblöcke instabil wirken und über rutschige, erdige Stellen rechter Hand (nördlich) etwas exponiert und mit instabilen Platten gespickt, umgangen werden können. Schon ist das Gipfelkreuz zum Greifen nah (T5/L).

Da ich vorher bereits mindestens einmal hier oben war, konnte ich vom Abstecher auf das Chli Muttenhorn nicht absehen. Der Abstieg über den Südgrat vom Gross Muttenhorn zum Sattel bei Punkt 2935 gestaltet sich einzig beim untersten Aufschwung schwieriger. Dieser bestand aus guten, gutgriffigen Felsen, einige Höhenmeter II, ansonsten T4. Von Osten reichte die Firnflanke im Juli 2012 bis zu den Gratfelsen. Wären da nicht einige Spalten versteckt, würde einem schnellen Abstieg über das Firnfeld wenig widersprechen (dies ist auch eine Skiroute).

Der Aufstieg vom Sattel 2935 zum Chli Muttenhorn erfolgt über einen Block- und Plattengrat, dem der zurückziehende Permafrost zu schaffen zu machen scheint. Zahlreiche Risse im Sand und Wackelblöcke mahnen zur Umgehung dieser Stellen. Felsen wenige Meter vor dem Gipfel umgeht man in der Nordostflanke und erreicht diesen durch eine kurze Rinne entlang der Gipfelfelsplatte (T5/II). Ein neueres Gipfelbuch mit nur einem Eintrag habe ich angetroffen - das nicht mehr Einträge vorhanden sind, kann auch daran liegen, dass das Öffnen der Gamelle die kraftraubenste Aktion des Tages war. Der Ausflug vom Gross zum Chli Muttenhorn und zurück über 255 Höhenmeter und 1.8 Kilometer dauerte etwa 80 Minuten, beschleunigt durch die beginnenden thermischen Wolken.

Der Abstieg vom Gross Muttenhorn über dessen Westgrat Richtung Tällilücke gestaltete sich deutlich mühsamer und zeitraubender als erhofft. Insbesondere, da dieser Berg hier schon als Wanderberg beschrieben wurde. Gut, ich blieb auch auf dem langen Grat möglichst in der Nähe der Schneide, einige IIer Stellen waren zu meistern, die wahrscheinlich hätten umgangen werden können. Die südseitige Querung entlang der Felsen der Gratzähne zwischen den Satteln Punkt 2985 und Punkt 3005 gehören sicherlich nicht mehr in den Wanderbereich (Stellen II). Ist man mit Gletscherausrüstung vor Ort, kann beim Sattel 2985 geradezu einfach der Muttgletscher erreicht werden (30 Minuten vom Gipfel bis hierhin).

Weiter geht es westwärts über Blockschutt und manchmal auch schmal, kurze Moränenschneiden. Nun findet sich auch eine Wegspur die bei Punkt 2799 in die Südflanke absteigt und den Tällistock umgeht. Ich blieb allerdings auf der Gratschneide, die vor dem Tällistock Ostgipfel (2875) scharf, aber mühelos zu querenden Platten besteht (falls schnee- und eisfrei). Bis zum Ostgipfel wurde ich von ein paar Scharten und Abschwünge überrascht, dies geht dank etwas Zickzack entlang von Bändern nicht schwieriger als T5/II. Vom Tällistock Westgipfel (2861) ist über Schutt rasch ein Sattel erreicht, von dem ich über Schneefelder rasch auf das Moränenfeld des ehemaligen Muttgletschers absteigen und den guten, nahezu horizontal verlaufenden Wanderweg durch die Blauberg-Westflanke zum Furkapass erreichen konnte. Ich benötigte 75 Minuten von 2985 bis in den Sattel bei 2769, inklusive Überschreitung Tällistock und etwas Rast.

Der Abstieg vom Gross Muttenhorn bis zum Furkapass, mit Komplettüberschreitung des Tällistocks, dauerte unerwartet lange 2.5h (850 Höhenmeter Abstieg, 200Hm Anstieg, 6.4km).

Das war eine schöne, lange Tour über acht Gipfel mit gesamthaft unglaublich langen Gratbegehungen, in teilweise alpinem Ambiente, mit kontinuierlichem Auf- und Ab. Sie scheint mir gerade richtig, um sich Routine in für das Gotthardgebiet typischen Gelände anzueignen und erlaubt zudem die kontinuierliche Beobachtung des Wetters - und dessen Entwicklung.
» GPS-Track (GPX)


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Blauberg vom Furkapass. Oberhalb des untersten Schneefeldes ist die Rampe zu erkennen, die den einfachen Zugang zum Nordostrücken ermöglicht.
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Klein Furkahorn. Rechts hinten Gross Furkahorn.
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Bildmitte: Grosses Kamel, rechts davon Chli Bielenhorn.
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Nordflanke Blauberg.
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Blauberg. Blick zum Griegufergrat.
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Unten und rechts: Furkapassstrasse. Hinten Grimselpass.
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Finsteraarhorn. Grimselpass.
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Galenstock.
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Galenstock.
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Letzte Lebewesen für die nächsten Stunden…
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Wärmster Tag des Jahres - schert mich!
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Blinnenhorn, links Rothorn.
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Tällistock von Nordosten. Die Grateinschnitte, welche ich später gemeistert haben, sind schön zu sehen.
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Gross Muttenhorn und Nordgrat.
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Stotzigen Firsten mit hübschen Seelein.
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Grataufschwung zu Punkt 2942 am Nordgrat vom Gross Muttenhorn.
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Blick vom Blauberggrat zum Muttengletscher. Mit Leckihörner, Witenwasserenstock, Stotzig Muttenhorn (rechts).
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Westgrat vom Gross Muttenhorn von Norden. Rechts der Bilditte reicht der Firn des Muttgletschers bis zu Punkt 3005. Rechts schliessen die Gratzähne an, an denen sich Wanderer die Zähne ausbeisen.
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Abstieg vom Blauberggrat zum Blaubergpass.
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Aufschwung zum Blauberggrat zum Blaubergpass. Kraxelgelände.
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Nun geht es über das Firnfeld und die Talmulde ostwärts hinunter vom Blaubergpass.
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Gross Muttenhorn. Linke Horizontlinie ist der später begangene Ostgrat.
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Der abschmelzende Schnee legt ein Tierskelett frei.
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Schöner Talkessel nach Muttenstafel.
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Gross Muttenhorn Ostgrat.
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Die habe ich erst zu hause entdeckt: zwei Kletterer am Gross Muttenhorn Nordgrat.
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Gross Muttenhorn Ostgrat.
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Muttengletscher. Wieso ist der Schnee an einigen Orten so markant rot? Ansammlung von Saharastaub?
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Bildmitte der schöne Spitz des Chli Muttenhorns. Davor der Firn, welcher in den Sattel 2935 zwischen Gross und Chli Muttenhorn führt (Spalten).
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Chli Muttenhorn.
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Nordgrat vom Gross Muttenhorn.
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