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Eine Ebene höher

Gotthard-Ost: Einsame Gratrunde mit reichlich Felskontakt

Der Gotthardpass ermöglicht es im Hochsommer rasch der Hitze zu entkommen. Der Alpinwanderer kann beidseits ausgedehnte Grattouren unternehmen, und dabei die Einsamkeit von einem zentralen Ort der Alpen aus geniessen. Dabei bleiben die Hände nicht die ganze Zeit über im Hosensack, am Monte Prosa direkt über dem Pass, sind kurze Kletterstellen im II. Grad obligatorisch.

Auf dem Gotthardpass trifft sich halb Europa. Während sich die meisten davon in ihren kurzen Hosen dem kalten Wind wegen nach 90 Sekunden wieder in ihren Autos verkriechen, und nach der Passöffnung im Frühjahr sich täglich eine Hundertschaft Richtung Fibbia und Lucendro auf den Skier herumtreten, ist es auf der anderen Talseite das ganze Jahr ruhig. Vielleicht werden noch die Gloggentürmli oder der Centrale besucht, aber die lange Bergkette vom Monte Prosa zum Blauberg scheint zu vereinsamen. Zu unrecht finde ich, bietet sie doch aus dem Herzen der Schweiz eine sehr abwechslungsreiche Tagestour mit luftigen Tief- und Ausblicken, inklusive den Walliser und Berner 4000ern.

Die Tour startet auf dem Gotthardpass bei üblicherweise kaltem Wind. Der (verbotenen) geteerten Fahrstrasse entlang zum Stausee Lago della Sella folgt man 1.5 km bis zum Bach vor der Cabanna della Bolla. Wir folgten dem Bach und dem folgenden Schuttkegel zumeist auf Gras bis unter das Felsband und den Grashang bis auf die Terrasse der Alpe della Sella. Nun traversiert man nach Westen, ohne Höhe zu gewinnen (wir stiegen 20 Meter zu hoch), an den Fuss des Südgrats des Monte Prosa (hierher auch andere Routen möglich).

Monte Prosa Südgrat
Den Südgrat des Monte Prosa erreicht man auf der Höhe von 2480 Meter über einen Grashang von Osten her. Hier ist ein guter Standort, den Helm aufzusetzen, und, wer mag, den Pickel in die Hand zu nehmen, den der folgende felsdurchsetzte Grashang ist 40° steil zum Punkt 2589. Er verläuft direkt 1400 Meter oberhalb des Autobahntunnels. Nun beginnt der Blockgrat, der zuerst horizontal, dann mit 30° nicht sonderlich geneigt zum Westgipfel des Monte Prosa führt. Die Blöcke bzw. Felsen bieten zumeist klettertechnisch keine grossen Herausforderung, da die meisten davon umgangen werden können. Nur eine rund 10 Meter lange Platte mit gutem Risssystem im II. Klettergrad ist obligatorisch und nicht übermässig exponiert - spätestens hier dürften sich Anfänger anseilen. Viel zu früh endet das Gekraxel dann auf dem Westgipfel, der mit einem schönen Gipfelfelszahn und Tiefblick auf das rege Treiben auf dem Gotthardpass aufwartet.

Monte Prosa Gipfelgrat
Der Übergang vom Westgipfel zum sieben Meter höheren Hauptgipfel des Monte Prosa beginnt mit dem luftigen Abstieg vom (Vor-)Gipfelturm. Bald schon steht ein schmaler Felsgrat im Wege - gegen Norden fällt die Platte fast senkrecht ab, auch gegen Süden kann sie nicht umgangen werden. Zum Glück ist der Fels bombenfest und gutgriffig. Luftig ist dieser Übergang (II-III) über die zehn Höhenmeter allerdings schon; Seilsicherung wäre hier sicherlich nicht verkehrt, was aber angesichts der an dieser Stelle fehlenden Zacken Friends oder Keile bedürfte. Den folgenden grossen Felszahn umgeht man südwärts, wenige Meter Abstieg um den Felsfuss sind notwendig. Über den Blockgrat wird in Kürze der Gipfel erreicht - typisch für die Alpen in italienisch sprechenden Gegenden mit schiefem, sich zersetzenden Kreuz.

Monte Prosa: Vom Haupt- zum Ostgipfel
Der Übergang vom Hauptgipfel des Monte Prosa über den Grat zum Ostgipfel ist einfacher, zumeist ist eine Wegspur vorhanden - übrigens der einzigen oberhalb 2200 Meter, die wir an diesem Tag angetroffen hatten. Die Schwierigkeiten können alle umgangen werden, oder man geht direkt in der Nordseite durch das in Gipfelnähe recht steile Schneefeld. Viel zu schnell ist das Gekraxel vorbei, der Felsblock des Ostgipfels steht bevor. Der Block könnte nordseitig umgangen und von dort über Schutt bestiegen werden. Wir wollen aber noch etwas Bouldern und steigen eine Verschneidung direkt zum Ostgipfel hoch (II-III). Dies ist auch der Skigipfel - von hier hätten wir im Frühsommer im Nu über die Schneefelder nach Valletta und Cassinetta abrutschen können, aber die 800 Höhenmeter bis hier wären dann schon etwas wenig sportlich für eine Tagestour gewesen - deshalb ist es eher der Beginn der langen Gratwanderung zum Blauberg.

Grat Richtung Gloggentürmli, Pizzo Fortünéi
Vom Ostgipfel des Monte Prosa steigt man über den breiten Schutt- und Grasrücken rasch zur Bassa della Prosa ab. Der Aufstieg zum Punkt 2782 - der Grat verzweigt sich dort zu Gloggentürmli-Pizzo Centrale und zum Schwarzlochhorn - ist felsdurchsetzter als erwartet. Wer will darf hier etwas an verwittertem Gestein turnen, ansonsten können alle Schwierigkeit auch in der Südostseite umgangen werden (Anfang Juli 2013 noch Schneefelder). Beim Punkt 2782 erreicht man die Grenze Tessin-Uri und es öffnet sich der Blick hinunter ins urnerische Guspis und über die grossen Wechten am Grat zu den Gloggentürmli und Gamsspitz/Pizzo Centrale.

Über viel Schnee gelangen wir zum "Höhepunkt" der Tour, dem Punkt 2811, ein von Westen ansehnlicher Berg, und doch - gemäss Karte - namenloser Gipfel. Nennen wir ihn hier Pizzo Fortünéi. Er überragt mit 66 Höhenmeter Abstand den höchsten, benanntem Gipfel des langen, begangenen Grats (T3 ab Ostgipfel Monte Prosa).

Schwarzlochhorn
Über Schneesurfing entlang der recht steilen Geländekante gelangen wird rasch in die Senke östlich des Schwarzlochhorns und treffen auf eine Serie von Gendarmen. Den ersten Überklettern wird, den folgenden, recht männlich wirkenden Turm können wir weder über- noch nordseitig (wegen zuviel Schnee) umsteigen. Wir umgehen die Felsen in der südseitigen Flanke in schuttdurchsetztem Gras und Firn. Die erste Felsserie des beginnenden Gipfelaufbaus ist zu scharf, um überstiegen zu werden. Wir umgehen sie auf schmalen Grasbändern in der abschüssigen Südflanke (T5) und erreichen die Gipfelkuppe des Schwarzlochhorns.

Blauberg
Der Nordgrat vom Schwarzlochhorn hinunter zur Sunnig Lücke erweist sich als ein recht steiler Schuttrücken - Vorsicht vor losgetretenen Steinen (T3+). In der Sunnig Lücke erwartet uns ein kalter Wind, so machen wir uns kurze Zeit später mit Pickel und Helm ausgerüstet an den Aufstieg durch die steile Südflanke des Blaubergs. Zuerst geht es über Schutt, dann die Vegetation suchend im Zickzack aufwärts, bis der Südostgrat durch eine Felskante deutlich wird. Hier vorsichtig nach links (Westen) queren und über die Schroffen hoch, und dem Hang etwas in Falllinie folgen bis der Gipfelgrat beim Zusammenschluss des Südost- und Ostgrats erreicht wird. Nun der gegen Norden scharf abfallenden Kante entlang zum höchsten Punkt des Blaubergs. Abstieg wie Aufstieg zur Sunnig Lücke.

In der Sunnig Lücke lag von beiden Seiten noch Schnee, wobei westseitig das oberste Schneefeld bald unterbrochen war und uns endlich Schmelzwasser zum Löschen des Durstes lieferte. Weiter über Schneefelder und den nördlichen Weiderücken durch das Valle delle Rive bis zur Alphütte Barch, von dort auf Bewirtschaftungsstrasse horizontal durch mehrere Geländekammern hinüber zum Gotthardpass.

Den ganzen Tag auf teilweise luftiger Höhe, und dabei nur 1200 Höhenmeter Aufstiegsarbeit: dies ist die empfehlenswerte Gratrunde im Osten vom Gotthardpass, mit Schwierigkeiten bis T5 und II.
» GPS-Track (GPX)


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Am 5. Juli 2013 kann vom Gotthardpass auch noch immer die Fibbia (rechts) als Skitour gemacht werden.
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Hier stiegen wir vor der Cabanna della Bolla rechts dem Bach entlang hoch. Das Auto ist dort übrigens unerlaubt abgestellt, ab dem Pass gilt Fahrverbot.
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Aufstieg durch die Alpe della Sella.
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Der Schnee ist noch nicht lange geschmolzen.
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Anemonen.
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Anemone.
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Der Monte Prosa-Südgrat mit dem Punkt 2589 liegt bevor. Wir stiegen links hoch und dann in Gratnähe die Flanke empor zu diesem Punkt.
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In der Flanke des Monte Prosa-Südgrats unterhalb Punkt 2589.
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Enzian.
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In der Flanke des Monte Prosa-Südgrats unterhalb Punkt 2589.
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Enzian.
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Südgrat des Monte Prosa vom Punkt 2589.
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Monte Prosa Südgrat: Nicht umgehbare Kletterstelle.
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Eisschollen im Lage di Lucendro.
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Am Monte Prosa Südgrat. Tiefblick auf den Gotthardpass.
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Monte Prosa Südgrat: Noch etwas Kraxeln und wir stehen auf dem Westgipfel.
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Mini-Blümchen.
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Monte Prosa Westgipfel.
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Monte Prosa Hauptgipfel, Blick vom Westgipfel.
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Walliser 4000er. Im Vordergrund rechts Fibbia.
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Gotthardpass und Lago di Lucendro vom Monte Prosa Westgipfel.
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Pizzo Lucendro mit Wetterstation. Rechts der Witenwasserenstock. Vorne der Sattel Valletta - dort geht die Skitour zum Lucendro durch (ob in der Abfahrt dahinter noch genügend Schnee lag, weiss ich nicht).
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Finsteraarhorn.
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Galenstock.
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Blinnenhorn. Links gerade nicht mehr im Bild: Fibbia. In Flanke davor sind die vom Passo di Lucendro hochführenden Skispuren zu erkennen.
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Abstieg vom Monte Prosa Westgipfel zum Hauptgipfel.
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Abstieg vom Monte Prosa Westgipfel zum Hauptgipfel.
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Nordflanke des Monte Prosa Westgipfels: eine schöne Steigeisen-Tour.
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Obligatorische Gratkante vom Monte Prosa Westgipfel zum Hauptgipfel.
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Obligatorische Gratkante im besten Fels vom Monte Prosa Westgipfel zum Hauptgipfel. Seilsicherung wäre hier sicher nicht schlecht.
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Monte Prosa Westgipfel zum Hauptgipfel: Versteiger. Diesem Gendarm muss man nicht überklettern. Später haben wir ihn etwas absteigend an der Sonnenseite umgangen.
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Monte Prosa Westgipfel zum Hauptgipfel: Umgehung des Gendarms vor dem Hauptgipfel.
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