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| Durchquerte man von Zürich her kommend die Linthebene schweift der Blick in das tiefe Haupttal vom Glarnerland und damit auf den vermeintlichen Talabschluss, dem alpinen Felsbollwerk vom Ruchi zum Hausstock. Dieses über 3000m hohe Bollwerk wollten wir an einem Tag Überschreiten und starteten hierfür mit der ersten öffentlichen Seilbahnverbindung ganz hinten in Tierfed. Parkieren kann man auf dem grossen Naturbodenparkplatz neben der riesigen Seilbahnstation - dies ist nur die Transportbahn für den Muttsee-Staumauerbau. Die Personenbahn ist die kleine, welche über eine Fussgängerpasserelle erreicht wird - hierfür also schon gut 10 Minuten einplanen!
Die Seilbahn führt steil über 1000m hoch (1860m.ü.M.). Von dort führt der weiss-rot-weiss markierte und vor nicht allzu langer Zeit ausgebaute Wanderweg steil über das Chalchtrittli, Nüschen am entschärften Muttenwändli (T3) entlang zum Muttsee. 2011 ist der Ort durch eine Grossbaustelle entstellt, der Lärm begleitet nun bis auf den Ruchi. Am Westende der Baustelle wird in die Ostflanke des Nüschenstock gequert. Die steile, praktisch weglose Passage ist mühsam. Ab dem Nordende des Muttsee zeigen Steinmänner und Wegspuren konsequent den besten Weg durch die Schutthalde des Ruchi bis über die steil zum See abfallende Rinne bei Punkt 2687. Ab hier darf für den weiteren Aufstieg auf den Grat, der wenig östlich von Punkt 2923 erreicht wird, improvisiert werden. Der feine, Energie raubende Schutt lässt sich am einfachsten überwinden, wenn er von ein paar Zentimeter am morgen noch gefrorenem Schnee überdeckt ist - ideal also im Herbst. Dann geht es Wegspuren entlang etwas südlich dem Grat auf den 3107m hohen Ruchi (T4). Nun scheint der 3158m hohe Hausstock näher zu stehen als die 2 Kilometer Luftlinie, das Gelände scheint auf den ersten Blick einfach. Diese Rechnung hat man allerdings ohne den Einschnitt "Drahtseilfurggeli" gemacht. Der Übergang durch die rund 40 Höhenmeter tiefe Scharte zwischen Ruchi und Chli Ruchi hat es in sich (T5/WS). Der Abstieg ist mittlerweile mit 2 Ketten ausgerüstet, die eine Selbstsicherung mit Bandschlingen ermöglichen. Dennoch sind einige heikle ausgesetzte Balancierungen auf teilweise fussbreitem Grat vor, zwischen und nach den Ketten zu bewältigen. Auf der Seite vom Chli Ruchi wird ab tiefstem Punkt direkt 3 Meter in die Südflanke traversiert um den Beginn der für den Aufstieg notwendigen Kette zu erreichen -heikel, wir fanden Schneematsch auf steilen schuttbedeckten Schieferplatten vor. Bis dorthin gibt es keine vernünftige Sicherungsmöglichkeit, der Partner kann allerdings bis zur Kette nachsichert werden - ev. auch mit Seil von der letzter Verankerung der Abstiegskette (~20m entfernt). Der Aufstieg ist sehr bröselig und rutschig, Steinschlag nicht zu verhindern; Abstand ist angebracht, genauso wie das Prüfen der Kette - die oberste Kettenverankerung war bereits lose. Der weitere Verlauf der Grenze Glarus-Graubünden entlang bis an den Hausstock ist problemlos: feiner, gepackter Schutt und Schneefelder erlaubt schnelles Vorwärtskommen. Im Sattel nach dem Chli Ruchi hält man sich möglichst an der Gratkante. Wir begannen den Hausstock-Aufstieg entlang der Westgratfelsen, zuunterst ein einfacher Kletterzug (südlich umgehbar). Grataufschwung bei 3080m besteht aus instabilen Blöcken mit reichlich Schutt, II. Grad. Unterste Stufe links im Schnee umgehen, dann fast an die Gratkante zurück, dort gibt es weniger schlechte Felsqualität. Dieser Aufschwung könnte ev. in der Westflanke umgangen werden, haben wir aber nicht angeschaut. Kurz darauf steht man Erhaben auf einem der grossen Gipfel der Region. Auf dem sehr langen Rückweg zur Seilbahn erlauben die Schuttflächen einen rasanten Abstieg, insbesondere der Rest des unteren Ruchi-Firns mit einer knappen Schneeauflage gibt Tempo. Den weitgehend wegen den Bauarbeiten abgelassenen Muttsee haben wir durch die trockengelegte Seemitte gequert; im Aufstieg zur Muttseehütte nimmt man sich dann von den grossen Maschinen in Acht. Für die Tour (2000 Höhenmeter, 21 Kilometer) brauchten wir 10 Stunden und verpassten damit klar die letzte reguläre Talfahrt der Seilbahn. Dank der Grossbaustelle hatte die Personenseilbahn 24 Stundenbetrieb und wir durften mit den Arbeitern ins Tal fahren. » GPS-Track (GPX) |
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