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Eine Ebene höher

Guppengrat und Vrenelisgärtli-Überschreitung - was für ein Saisonende!

Das Vrenelisgärtli im Glärnischmassiv - fast alle haben es schon von der Ferne gesehen und viele die dies hier lesen waren auch schon dort oben - aber sind wahrscheinlich nicht von der Südseite her hochgeklettert. Der Guppengrat ist eine lange und abwechslungsreiche Tour aus den Tiefen des Glarnerlands und eine mehrstündige Kraxelei im II. Grad - über steile Aufschwünge und Couloirs, wo man von unten nicht für möglich halten würde, das der Aufstieg gar nicht mal so schwierig ist.

Gestartet sind wir in Leuggelenberg auf etwa 910 Meter Höhe; die Strasse ab Schwändi ist mit einem Wochenendfahrverbot belegt. Die als Bergwanderweg markierte Aufstiegsspur haben wir im dicken Nebel und bei Dunkelheit im Licht der Stirnlampe zuerst einmal gar nicht gefunden... Bald verlassen wir die feuchte Luft und kommen in der warmen Luft über der Nebelgrenze rasch die vielen Kehren im Wald aufwärts, nach dem Sonnenaufgang durchschreiten wir die Lawinenverbauungen und gelangen bald in den Sattel Oberstafel. In der Nachsaison ist die Hütte verbarrikadiert - zum Glück war wenigstens noch der Brunnen in Betrieb. Alternativ kann Oberstaffel auch von Schwändi via Mittler Guppen erreicht werden - auch dieser Weg ist markiert.

Eine Wegspur führt ab den Alphütten Oberstaffel westwärts nach Heuberg. Eingangs der schmalen Ebene befindet man sich im Talkessel, der vorerst für den weiteren Aufstieg benützt wird: man verlässt die Wegspur nach etwas rechts der Falllinie und findet bald schon eine weisse Wegmarkierung an einem Felsen und Wegspuren, die nach Nordwesten bis an die Felsen des Mittelstocks führen. An dessen Fuss entlang aufwärts bis zu einer Höhe von genau 2000 Meter: hier steilt die Flanke an, es führen unangenehm rutschige Wegspuren weiter, das Gelände wird zudem exponiert. Tatsächlich folgt man nicht diesen "Abwegen" sondern wendet sich hier nach links und folgt einem unscheinbaren Grasband (noch ohne Spuren) relativ leicht aufwärts und steht bald 85 Meter nordwestlich vom Mittelstock bei einem Steinmann auf dem Grat, dem man bis zum Ober Firnband mehr oder weniger folgt. Einige Stufen werden dabei links (westlich) umgangen, teilweise Steinmänner, ein paar IIer Stellen.

Auf dem Ober Firnband führt eine Spur an das Couloir links des markanten, schmalen Turms. Entweder steigt man bald die sehr steile Grasplangge links des Couloirs hoch (oben gemäss anderen Quellen eine steile Runse mit Klemmblock oder eine IIIer Platte und Steinmann) oder klettert/geht wie wir während 150 Höhenmeter durch das steile aber problemlose Couloir hoch - wegen dem fast unvermeidbaren Steinschlag allerdings auf keinen Fall falls sich weitere Partien oberhalb im Couloir befinden. Weiter oben weitet sich das Couloir, es gabelt sich sogar. Wir sind eher die linke Seite des rechten (östlicheren) Arms hochgestiegen, bevor wir auf die Rippe geklettert sind.

Nun eisfrei bis an die Ostfelsen der Chanzle; Steigeisenzeit. In der Folge auf dem Gletscher um den Sporn herum, bis in den Norden der Chanzle. Nun gilt es den Bergschrund zu überwinden und im Schnee in den vertikalen Bändern die steile Flanke hoch zu steigen. Wer hier apere Bedingungen vorfindet ist hier absolut nicht zu beneiden - der Aufstieg über die schuttig-schmierigen Platten ist dann die gefährliche Schlüsselstelle der Tour, aber auch mit Steigeisen wohl etwas besser zu überstehen als ohne. Nun thront man auf der majestätischen Chanzle und beäugt den weiteren, steilen Aufstieg über den eigentlichen Guppengrat, der gegen Osten über mehrere Hundert Meter senkrecht abfällt.

Auf 2670 Meter Höhe beginnt die Kletterei am Guppengrat, die bis zum Gipfel des Vrenelisgärtli führt. Zu Beginn traversiert man 20 Meter etwas exponiert fast bis an die Gratkante und steigt anschliessend einem gutgriffigen Risssystem entlang nach oben. Es folgt ein steilerer Teil, den ich auf einem kurzen Band nach links etwas entschärfen konnte. Anschliessend eine Schroffenflanke hoch, wenn diese oben zu steil wird, nach rechts an die Gratkante steigen. Gesteinswechsel; gegen links die Flanke aufwärts, allerdings nicht zu weit: die Flanke ist hier zwar nicht allzu steil und wäre Gehgelände, wäre sie nicht unangenehm brüchig und ohne Haltepunkte. Aufwärts an den nun festen und blockigen Kalkgrat. Diesem in hübscher Kletterei entweder schön exponiert an der Gratkante oder etwas links davon bis zum Vrenelisgärtli-Gipfelkreuz mit Gipfelbuch folgen.

Nun folgt der Abstieg entlang des Normalaufstiegs auf das Vrenelisgärtli von der Glärnischhütte SAC. Via Steinbank hält man sich an der Gratkante des von weitem sichtbaren, berühmten Gipfelplateaus. An dessen Ende links abwärts durch eine Rinne, weiter die Hände wenige Mal zum Einsatz bringend an die Gratkante zum Schwander Grat. Da die eigentliche felsige Gratkante aper war, haben wir auf die Steigeisen verzichtet und sind teils auf Wegspuren in der Südseite, teils auf dem schmalen Grat bis zum fast senkrechten Aufschwung balanciert. Den Ketten entlang über Eisenstäbe und Klampen und gutgriffigem Fels klettersteigmässig auf die Felskuppe des Schwander Grats.

Westwärts eher gegen die rechte (nördliche) Seite des Glärnischfirn haltend abwärts, angeseilt die neue Spaltenzone zwischen 2700m und 2550m im Zickzack hinter uns lassend bis zum nördlichen Gletscherende - Ende 2012 - auf 2360m. Steinmänner, Spuren und später guten roten Strichen entlang zur Glärnischhütte, die ich in Abwesenheit der Flagge erst nach Umgehen des schützenden Felsens direkt hinter der Hütte erspäht hatte.

Wer nach Ende der Sommersaison im hinteren, dann fast ausgestorbenen Klöntal unterwegs ist darf sich nicht wundern, wenn er zuvor den halben Klöntalersee umrunden muss, bevor einer der sehr spärlichen (einheimischen) Autofahrer Erbarmen zeigt und die durstigen Autostopper mitnimmt... Wer Pech hat, darf nach einer Zug- oder Busfahrt im Tal am Ende noch die 200 Höhenmeter von Schwändi oder sogar die 350 Höhenmeter ab Nidfurn unter die heissen Füsse nehmen, bis er sein Auto mit den vielen Vorräten in Leuggelenberg endlich erreicht.

Das Seil haben wir einzig auf dem Glärnischfirn eingesetzt, im Aufstieg zum Schwandergrat haben wir uns (sehr) behelfsmässig mit Bandschlingen an den Ketten gesichert. Oberhalb von Oberstafel gibt es bis zum Schmelzwasser des Glärnischfirns kein fliessendes Wasser mehr. Ist die Glärnischhütte nicht bewartet, gibt es auch dort kein Wasser - und auch bis zum Klöntalersee keinen Brunnen mehr. Mit dieser Tour geht eine für mich eindrückliche und schöne Sommersaison 2012 zu Ende.
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Stockfinster - aber wenigstens knapp über dem Nebel - im Leuggelenwald.
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Sonnenaufgang am Hausstock.
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Sonnenaufgang über dem Glarnerland.
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Sonnenaufgang am Tödi.
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Sonnenaufgang über dem Glarnerland.
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Der Nebel schleicht ins Sernftal.
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Der Bergwanderweg schlängelt sich um die Lawinenverbauungen unterhalb von Oberstafel.
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Noch einen Nordhang queren und wir sind im Sattel von Oberstafel.
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Vorderglärnisch von Oberstafel - noch liegt Lawinenschnee im Sienentobel und zwei Tage später beginnt der neue Winter.
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Guppenfirst, rechts Höchtor.
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Noch liegt Lawinenschnee im Sienentobel und zwei Tage später beginnt der neue Winter. Rechts ist die Wegspur zur Furggle/Vorderglärnisch erkennbar.
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Der Schnee hat hier arg gewütet.
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Oberstafel.
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Weg von Oberstafel nach Heuberg.
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Heuberg. Links Nidfurner Turm, rechts zwei Türme, links davon der alleinstehende, spitze Turm: links um diesen herum führt am Ende unser Aufstieg. Er beginn mit dem Aufstieg bis zu den untersten Platten im Tal, quert dann noch links bis zum Schuttfeld und diesem entlang hoch um den Mittelstock.
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Unser Turm: wir stiegen in dem Couloir links von ihm hoch. Alternativ kann man auch die steile Grasplangg an der linken Seite des Couloirs hoch steigen.
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Erster Wegweiser. Eine recht gute Wegspur führt bis unter den Mittelstock.
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Weiter geht es den Felsen entlang.
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Unter dem Mittelstock.
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Hinter dem Mittelstock auf 2000 Meter Höhe. Hier führt ein unscheinbares, nicht markiertes Grasband schräg aufwärts auf den Grat. Es führen genügend Spuren an ihm vorbei weiter, so dass es leicht übersehen wird.
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Auf dem Grasband hinter dem Mittelstock.
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Auf dem Grasband hinter dem Mittelstock.
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Bald auf dem Grat beim Mittelstock angelangt. Ein Steinmann markiert im Abstieg die Stelle.
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Über dem Mittelstock folgt man dem Grat bis zum schlanken Turm.
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Oberblegisee und Leuggelstock. Der Guppensee - unten in der Ebene vor dem Leuggelstock - ist ausgetrocknet.
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Nidfurner Turm.
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Auf der Guppengrat-Route oberhalb Mittelstock.
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Auf der Guppengrat-Route oberhalb Mittelstock.
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Auf der Guppengrat-Route oberhalb Mittelstock. Weiter bis zum mittleren Turm.
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Das Sonnenlicht spiegelt sich im Stausee Garichti. Hinten links das Martinsloch. Rechts Chli und ganz knapp Gross Chärpf.
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Auf der Guppengrat-Route oberhalb Mittelstock.
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Auf der Guppengrat-Route oberhalb Mittelstock.
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