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Eine Ebene höher

Das Glarner Bergmassiv des Chärpf liegt inmitten der hohen Glarner Alpen, umkesselt von der Linth und der Sernf. Mit fast 2800 Meter Höhe liegt der Gipfel des Gross Chärpf etwas tiefer als die umliegenden, grossen Berge: das Panorama zeigt deshalb wenige weit entfernte Orte, ist dafür besonders zackig. Als Ausgangspunkt kommt der Stausee Garichti und die Leglerhütte, oder Untererbs und die Skihütte Obererbs in Frage. Keiner der Anstiege ist einfach, Wegspuren sind nur teilweise vorhanden.

Wir starteten beim Parkplatz in Unter Erbs auf 1270 Meter Höhe, rund 200 Meter südwestlich nach dem Abzweiger mit einem Fahrverbot belegten Fahrstrasse nach Obererbs - bis im Oktober führt eine Rufbuslinie bis zur Skihütte Obererbs auf rund 1700m. Gleichzeitig mit dem ersten Bus trafen wir wandernd bei der Skihütte ein. Ab Ober Erbs führt ein weiss-blau-weiss markierter Alpinwanderweg über die Hanegg und dem Rotstock entlang zur Chärpfscharte. Beim Aufstieg verloren wir die Spur immer wieder - die Markierungen dürften ruhig etwas dichter angebracht sein.

Als ersten Tagesgipfel nahmen wir den Rotstock mit. Der schmale Grasgrat des Rotstocks konnte über die bereits schneebedeckte Nordostflanke in wenigen Minuten erreicht werden. Auf den markierten Pfad gelangten wir, indem wir dem Grat in kurzen Auf- und Ab nordwärts gefolgt sind.

Auf einer Höhe von rund 2500 Meter wird der Bergkamm erreicht, die die Fortsetzung des Südostgrats vom Gross Chärpf bildet. Der Kamm wird überschritten und unvermittelt befindet man sich in einem Feld von mühsamen Blockschutt, das bis zur Chärpfscharte reicht. Zwei Tage zuvor lag in Obererbs noch ein halber Meter Schnee, die aussergewöhnliche Föhnströmung hatte in der Zwischenzeit dem Schnee an den Südhängen bis hoch hinauf den Garaus gemacht - in windgeschützten, schattigen Stellen kämpften wir ab 2400 Meter Höhe allerdings durchaus auch mal durch eine meterhohe, leicht feuchte Schneedecke. Der Schnee machte die Traverse der Blockfelder anspruchsvoll und einigermassen verletzungsgefährlich.

Nach einigem Schneestampfen erreichen wir die Chärpfscharte und nehmen den Chli Chärpf in Angriff, wobei der Aufstieg rund 40 Meter östlich des Sattelpunkts erfolgt. Zwei Aufstiegsmöglichkeiten sind mit Fixseilen gesichert, die erste führt nahezu senkrecht ein paar Meter gutgriffig empor (II), eine weitere Möglichkeit findet man 15 Meter weiter östlich, wobei Klampen und ein Seil über eine abschüssige und recht exponierte Kalkplatte helfen. Im Abstieg steigen wir zwischen den beiden Varianten problemlos über eine nicht versicherte Stufe ab. Den Gipfel des Chli Chärpf erreicht man anschliessend nordostwärts über ein leicht ansteigendes Band.

Die Chärpfscharte kann auf markiertem Pfad ebenfalls von der Leglerhütte SAC aus erreicht werden - dies ist zusammen mit folgender Route wohl auch die Normalroute auf den Gross Chärpf. Aus dem eher breiten Sattel als eine Chärpf-"Scharte" steigt man sich auf der westlichen Talseite haltend bis auf eine Höhe von 2580m nach Süden ab und erreicht ein Band, das untere, das zur Gratschulter vor Punkt 2612 führt (Steinmänner). Schwache Wegspuren führen anschliessend durch die Südflanke leicht abwärts an den Südwestgrat vom Gross Chärpf, an den Fuss eines markanten, teilweise plattige Rampe auf 2565 Meter Höhe, anhand dessen die Begrenzungsfelsen überwunden werden.

Nach der Rampe hält man 40 Meter weiter westwärts, bevor ungefähr der Gratkante entlang aufwärts nach Nordosten gestiegen wird (teilweise Steinmänner). Ungefähr der Gratkante folgend - sich teilweise nicht zu stark in die Flanke abdrängen lassen - wird auf 2700 Meter Höhe der Ostabbruch des Gross Chärpf erreicht. Nun über die steiler werdenden Schutt- oder Schneeflanke direkt aufwärts an den Fuss eines markanten Couloirs am Gipfelaufbau und damit an den rötlichen, kleinschuppigen Verrucano.

Wir sind das Couloir an der linken Seite ausgestiegen (II-III). Über dem Couloir findet sich eine Sicherungsstange, an der im Abstieg abgeseilt werden kann. Nach dem Couloir links aufwärts über Schutt- oder Schnee bis an die Gipfelfelsen. Wenige Meter in diesen beginnt ein ausgeprägtes, schmales Band, das die Flanke ohne viel Höhengewinn und nicht allzu exponiert für rund 20 Meter nach Nordosten quert und an eine abschüssige, feuchte Runse führt. Die exponierte Querung dieser Runse auf abfallenden, plattigen, grasdurchsetzten und nassen Felsen war der heikelste Abschnitt der Gross Chärpf-Besteigung, wir wollten sie nur mit Steigeisen meistern. Alternativ zu diesem exponierten Abschnitt sind wir am Beginn der Runse ungefähr der Geländekante nach die Schroffen hochgestiegen und haben an den oberen Begrenzungsfelsen die Runse auf Platten leicht abfallend überwunden. Erst nach der Runse befindet man sich in der Falllinie unter dem Gipfel des Gross Chärpf. Er wird links ausholend in Gehgelände erreicht.

Rund 40 Meter östlich vom Gipfel haben wir am Grat eine für das Abseilen nutzbare Sicherungsstange gesehen, aber nicht verwendet - wird sind unserer Aufstiegsroute entlang bis unter die Rampe des Südwestgrats auf 2565 Meter Höhe abgestiegen.

Für den direkten, weg- und markierungslosen Abstieg nach Obererbs entlang der Winterroute sind wir das Blockfeld bis zur Geländekante auf 2500 Meter Höhe abgestiegen, dann über und um sehr grosse Blöcke im mühsamen Zickzack in ostsüdöstlicher Richtung balanciert (teilweise geht es unter den Steinen mehrere Meter in die Tiefe), bis endlich der weiss-blau-weiss markierte Alpinwanderweg von der Chärpfscharte nach Obererbs erreicht wird.

Diese erste "Winterbesteigung" der Chärpf zu Ende der Sommersaison 2012 war abwechslungsreich und technisch nicht ganz so einfach, wobei wir die kurze Kletterpassage am Chli Chärpf im Gegensatz zu Berichten im Internet als trivial empfanden, hingegen den Gross Chärpf mit etwas zu wenig Ehrfurcht angegangen sind - um ein Haar hätten wir die Besteigung wenige Meter unter dem Gipfel abgebrochen. Während fünf Stunden mussten wir im teilweise tiefen Schnee und bei starken Föhnböen spuren - dies war nur dank unserer zahlreichen langen Touren der vergangenen Monate konditionell vertretbar. Die Winterroute vom Rotstock an den Südwestgrat kann ich im Sommer (und geringer Schneelage) wegen dem mühsamen und verletzungsträchtigen Blockfeld nicht empfehlen.

Was für ein Tag an einem 19. Oktober - bei windstillen 17°C in Untererbs konnten wir nach unserer Tour beim Einnachten unsere Vorräte verzehren.
» GPS-Track (GPX)


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Ausgangspunkt in Unter Erbs beim Parkplatz nach dem Abzweiger nach Ober Erbs.
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Hausstock.
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Bergwanderweg nach Obererbs.
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Piz Segnas. Durch die Flanke führen die beiden Routen, die ich ein paar Wochen zuvor begangen bin.
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Da guckst du, der Bus überholt uns wenige Meter vor der Skihütte Obererbs. Hätten wir den Fahrplan studiert, hätten wir locker eine halbe Stunde länger schlafen können...
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Gross Chärpf und das markante Felsband des Südwestgrats. Dieses wird unten links über die markante, schneebedeckte Rampe überwunden. Nach der Rampe quert man das Schneefeld bis zur Horizontlinie und steigt dieser entlang hoch bis zum Gesteinswechsel zum rötlichen Verrucano. Für den direkten Abstieg vom Rampenfuss zum Aufnahmestandort muss ein ausgedehntes Feld aus grossen Felsblöcken gequert werden.
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Hausstock.
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Hausstock-Nordgrat.
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Rotstock. Der Alpinwanderweg führt rechts von ihm entlang durch das Tälchen, direkt unter dem Gross Chärpf.
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Erster Tagesgipfel: Rotstock
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Gipfelaufbau aus Verrucano vom Gross Chärpf.
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Bergsturzgebiet Steinböden.
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Oberhalb des Rostocks wird der Ausläufer des Südostgrats vom Gross Chärpf überschritten. Nun folgt mühsamer Blockschutt - v.a. bei Schneelage unangenehm.
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Aufstieg zur Chärpfscharte.
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Aufstieg zur Chärpfscharte.
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Aufstieg zur Chärpfscharte.
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Aufstieg zur Chärpfscharte (Sattel in Bildmitte). Felsaufbau des Gross Chärpf, links Felsen unter dem Punkt 2612. Von der Chärpfscharte erreicht man den Sattel nördlich von Punkt 2612 über das untere, schmalere Band.
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Aufstieg zur Chärpfscharte.
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Aufstieg zur Chärpfscharte. Blick zu Punkt 2612, zu dem das Band hinüber führt.
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Chärpfscharte, Blick zum Chli Chärpf. Die Felsen werden rechts, ausserhalb des Bildes überwunden.
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Chärpfscharte, Blick zum Chli Chärpf, und die Aufstiegsrouten. Gepunktet: Fixseile.
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Erstes Fixseil, steilster Aufstieg zum Chli Chärpf (Vorteil: man muss die etwas exponierte, abschüssige Platte rechts unten im Bild nicht queren).
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Am ersten Fixseil zum Chli Chärpf.
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Am ersten Fixseil zum Chli Chärpf.
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Chli Chärpf.
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Panorama vom Chli Chärpf.
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Gross vom Chli Chärpf.
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Tödi.
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Chärpftor.
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Das Glarnerland liegt zu Füssen.
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Blick Richtung Tal der Linth und Klausenpass.
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Blick hinunter zum Stausee Garichti, Nideren und die Bergkette vom Gandstock über Charenstock, Blistögg, Schwarz Tschingel zum Aufnahmestandort Chli Chärpf.
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