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Eine Ebene höher

Bifertenstock via Bänderweg

Der zweithöchste Glarnerberg wird üblicherweise aus dem bündnerischen Surselva via der Bifertenhütte erklommen, am einfachsten über den landschaftlich eindrücklichen und schön exponierten Bänderweg. Neben der Länge der Tour bildete in den letzten Jahrzehnten der Felsriegel unterhalb der Gratschneide zum schönen Vorgipfel Punkt 3386 der technische Problempunkt. Seit August 2013 entschärft eine Kette den Aufstieg über die 45° steilen, plattige Felsen, die das abschmelzende Firnfeld offenlegen (T6/WS).

Der Bifertenstock quasi als "Zürcher Hausberg" als Tageshochtour zu absolvieren ist für Normalsterbliche definitiv nicht mehr mit dem öffentlichen Verkehr machbar. Selbst wenn mit dem Auto von Brigels noch auf der holprigen Strasse auf den kleinen Parkplatz wenige Meter unterhalb der Alp Quadar auf eine Höhe von fast 1900 Meter gefahren werden kann, verbleiben fast 50 Leistungskilometer für den Fussmarsch auf den 3419 Meter hohen Bifertenstock und zurück. Mit ein paar Gegensteigungen summiert sich der Höhenunterschied auf 1800 Höhenmeter.

Brigels-Alp Quader-Bifertenhütte
Von der Alp Quader führt der markierte Bergwanderweg über Alpweiden und auf weiter Strecke eben zur auf der Hochebene unter dem Kistenstöckli etwas verlassen wirkende Bifertenhütte des AAC Basel (Trinkwasserbrunnen im Sommer). Die kleine Einraum-Hütte verströmt den familiären Charme einer (leider) längst vergangener Bergsteigertradition. Wer sich über einen robusten Schlaf freuen kann, ist hier richtig. Aufstieg Hütte: 90 Minuten, Abstieg 75 Minuten.

Limmerenpass-Einstieg Bänderweg
Nach kurzer Pause folgen wir den Wegspuren gegen Westen, bis die Hauptspur steiler gegen das Westende des Kistenstöckli ansteigt. Nun folgt man den undeutlichen Spuren und den Steinmännern, die weiter westwärts zum Limmerenpass führen.

Nach dem Limmerenpass beginnt der mit 4 Kilometer sehr lange Ostgrat des Bifertenstocks. Man folgt dem Schuttrücken bis auf 2880 Meter Höhe. Hier wird die Wegspur deutlicher und führt in die Flanke hinein. Auf einer Höhe von 2980 Meter bricht das Gelände abrupt ab, der Bänderweg beginnt sich entlang des obersten Bandes in die Felswand des gewaltigen Karstkessels zu ziehen. Hier haben wir Kletterzeugs und Helm montiert, aber noch auf Seilsicherung verzichtet, obwohl wir ein teilweise nassschneebedecktes Band vorfanden. Gehzeit ab Hütte bis zum Einstieg Bänderweg: 75 Minuten hin, 50 Minuten zurück.

Bänderweg: 1. Kessel
Vorsichtig ertasten wir das neue Gelände und genossen etwas ehrfürchtig die Tiefblicke, die sich für kurze Momente durch den Nebel öffneten. Zwar ist Konzentration und sicheres Gehen gefragt, der erste Kessel ist aber nicht schwieriger als T4. In der Mitte des Kessels erreicht das Band für ein paar Meter den Bifertenstock-Ostgrat mit seinen dort skurril schräg gestellten riesigen Türmen und erlaubt den Tiefblick auf den Griessfirn, das Limmerental und hinüber auf Kistenpass und Selbsanft.

Den Wegspuren im Schutt folgt man weiter dem teilweise recht abschüssigen Band, dass nur wenig weiter unten in steil abfallende Kalkplatten übergeht. So gelangt man an die Ecke, wo der erste in den zweiten Kessel übergeht. Gehzeit erster Kessel: 30 Minuten hin, 15 Minuten zurück.

Bänderweg: 2. Kessel
Der zweite Karstkessel ist noch imposanter als der erste: steiler, grösser, felsiger, furchteinflössender. Zudem ist das Band direkt beim Beginn unterbrochen: nur ein wenige Zentimeter breites Felsband führt unter den überhängenden und über den abfallenden Kalkplatten durch (T5). Dieses Stück haben wir gesichert, es sind beidseits Standplätze vorhanden, ein Zwischenbohrhacken. Allerdings reichte unser 30 Meter Seil gerade nicht von Standplatz zu Standplatz: dies ist aber kein Problem, weil beidseits der exponierteren Stelle das Band breiter ist. Anschliessend führt das Schuttband unterschiedlich steil und exponiert bis auf eine Nase. Hinter der Nase folgt der heikelste Abschnitt der ganzen Tour. Zuerst steiler Schutt, dann sind mehrere Runsen zu queren, je nach Verhältnisse sehr heikel; Sicherung wäre an den herumliegenden Blöcken nur schwer möglich.

Speziell eine Runse kann Kopfzerbrechen bieten (hoffentlich nicht im wahrsten Sinn des Wortes): am einer Stelle ist das Band unterbrochen, stattdessen muss eine braune Felsplatte unterhalb umgangen werden (kleiner Steinmann markiert oben den Ausstieg für den Rückweg). Der Abstieg ist noch gutgriffig (T5), der jenseitige Wiederaufstieg über die steilen Felsschuppen unzuverlässiger Qualität unangenehm. Im Hinweg sind wir hier über die grauen Felsen hochgekraxelt, im Abstieg haben wir uns dann an die Schichtgrenze, bzw. die steile Rinne mit dem braunen Schutt gehalten, was uns einfacher dünkte, aber auch zwei, drei Schritte an zwei Zentimeter breiten Leisten bedürfte, T6.

Nach dieser Schlüsselstelle sieht der Weiterweg schwieriger aus als er ist: das hochziehende Band wird schmaler, schliesst sich eng auf die hier steiler werdenden grauen Felsen an. Hart an der Plattengrenze liegt genug feinerer Schutt für ein angenehmes Weiterkommen und schon endet der zweite Karstkessel. Bis hier 50 Minuten, im Abstieg 40 Minuten inkl. Seilsicherung, L.

Ende Bänderweg: Firnfeld-Ostgrat
Nun blickt man auf den hübschen Vorgipfel Punkt 3368 und das Schnee- bzw. Firnfeld, dass noch im SAC-Führer von 1992 den direkten Zugang zum Grat ermöglichte. Wir fanden dort 2013 eine 47 Meter hohe Felswand vor... die Route wird in den nächsten Jahren mit dem weiteren Abschmelzen des Firnfeldes auch nicht einfacher.

Zuerst muss allerdings zum Schneefeld abgestiegen werden - die Fortsetzung des Bandes ist an dieser Stelle plattig und recht abschüssig und irgendwo müssen noch vor dem Schnee die Steigeisen angezogen werden. Wir fanden das bis rund 40° steile Schneefeld mit 20cm Nassschnee vor; Trittschnee ist anders, dafür gab es weder am Ein- noch am Ausstieg einen Bergschrund; bei Vereisung mag dieser Abschnitt die Schlüsselstelle sein. Im Nu steigen wir der Verschneidung entgegen, die sich über dem höchsten Punkt des Schneefeldes hinzieht (WS).

Nun erwartete uns also die erwartete Schlüsselstelle der Bänderweg-Tour, die Überwindung der Felswand bis zum Ostgrat. Einige Meter über Fels im III. oder IV. Grat soll der unterste Eisenstift erreichbar sein. Nach Informationen vom Sommer 2013 soll ein dünnes Seil herunterhängen. Unsere Überraschung war gross, als wir die Stelle mit einer Kette perfekt abgesichert vorfanden! Diese muss in der Vorwoche montiert worden sein. Wir nahmen dieses Geschenk gerne an und sicherten uns selber mit Bandschlingen an der Kette und konnten nach dem Entfernen der Steigeisen rasch die 20 Höhenmeter im 45° steilen Felsen hochhangeln. Am Ende der Platte hätten wir uns gewünscht, dass die Kette das kurze Schuttband nach links und um den Felsblock herum geführt worden wäre. In Unkenntnis des weiteren Geländes seilten wir uns hier nochmals an, zur Fixierung der Zwischensicherungen an den kurzen Eisenstiften befestigten Bandschlingen mit Ankerstichen an den Stiften. Nach dem Block erreicht man über Schutt problemlos den Grat, der durch den Neuschnee bereits wieder am Verwechten war. Im Abstieg verzichteten wir auf Seilsicherung. Hinweis: im oberen Bereich führt die Kette über nasse, d.h. rasch vereiste Felsen. Bis hier ab 2. Kessel 30 Minuten, im Abstieg 25 Minuten inkl. Steigeiselen. Die Restkette reichte 2013 rund 50cm in den Schnee. Dank der Kette ist dieser Abschnitt zum T5 entschärft.

Langer Gipfelgrat zum Bifertenstock
Ein perfekter Schneegrat führt auf den naheliegenden pyramidenförmigen Gipfel - eine Form wie aus dem Bilderbuch. Erst oben angelangt öffnet sich der Blick zum fast 1000 Meter entfernten Bifertenstock... Noch ist also etwas Schneestampfen angesagt! Wir überschritten den Vorgipfel direkt über die Kante, die teilweise diesen Namen wirklich verdient. Später steht ein Felsturm im Weg. Diesen haben wir rechterhand (nördlich) hart an der Felswand und über der Nordwand umgangen (WS). Der Rest ist ein einfacher Schneewackel, wobei es ev. um Punkt 3351 Spalten oder Löcher haben könnte, und nicht zu dicht an der überwechteten Gratkante gegangen werden sollte. Von Erreichen des Ostgrats zum Gipfel: 45 Minuten, Rückweg 25 Minuten.

Vom Bifertenstock aus faszinierte mich natürlich der Tiefblick auf den Schneerus und die Gelbe Wand beim Bifertenfirn, an der ich in der Vorwoche bei einer "Variante" zu viel Zeit verloren hatte und mein zweiter Versuch einer Tödi-Sommerbesteigung in genau 20 Jahren nach Überwindung der meisten technischen Schwierigkeiten wegen der Wärme abbrechen musste. Der Tödi bleibt offenbar ein Skiberg für mich...

Im Abstieg ist darauf zu achten, nach dem Vorgipfel Punkt 3368 etwas vor dem östlichen Sattel in die Südflanke einzusteigen und in die Falllinie des Sattels und damit zur Kette zu gelangen. Den folgenden Firn begeht man am oberen Ende nahezu in östlicher Richtung, über die Schneekante hinweg, zum obersten, nicht unbedingt einladend wirkenden Band; der Bänderweg ist erst von der nahen Felsnase aus einsehbar. Der Unterbruch des Bandes im zweiten Kessel ist durch einen kurzen Ab- und Wiederaufstieg zu überwinden. Der richtige Abstieg über das wenig strukturierte Gelände zum Limmerenpass und zur Hütte ist bei dichtem Nebel - wie wir in angetroffen haben - nicht ganz einfach zu finden; man ist falsch, wenn das Gelände steiler und felsiger wird...

Dank dem späten Start (Aufstehen in Zürich um 5 Uhr) erreichten wir erst in der Abenddämmerung unseren Ausgangspunkt bei der Alp Quader nach fast 12 Stunden Tourenzeit und war um 23 Uhr endlich wieder zuhause, womit ein erlebnisreicher Tag zu ende ging und ein Tourentraum nach über 25 Jahren endlich Realität wurde.
» GPS-Track (GPX)


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Das ferne Ziel in Sicht vom Ausgangs- und Zielpunkt auf der Alp Quader. Wenige Gratis-P. Der Bifertenstock markiert das linke Ende der geschwungenen Schneebänder im Felsmassiv rechts der Alphütte. Der Bergweg beginnt gleich vor der Hütte und führt rechts den Hang hoch. Dies sollte für diesen Tag der einzige wolkenlose Blick auf den Bifertenstock bei Tageslicht sein.
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Kistenstöckli (links) und Piz d'Artgas. Die Bifertenhütte befindet sich unterhalb des Kistenstöckli.
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Brigelser Hörner.
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Kistenstöckli. Wegspuren führen von links hoch.
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Val Frisal mit Barcun Frisal Sut. Rechts Glatscher da Frisal und die Wände des Bifertenstocks.
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Kistenstöckli von Osten.
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Piz d'Artgas.
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Muttenbergen Punkt 2895, links gerade nicht im Bild Kistenpass.
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Bifertenhütte AAC Basel.
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Blick ungefähr vom Limmerenpass: unten, mit etwas Schnee, das Limmerenband, das du den Resten des Limmerenfirns führt. Ganz links oben die Eisnase, rechts hinten anschliessend der Tödi. In Bildmitte die beiden Schiben. Rechts, mit etwas Schnee, der Hinter Selbsanft.
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Hauserhorn/Vorder Selbsanft.
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Nüschenstock. Davor die Baustelle des Muttsee-Staudamms und Muttseehütte SAC.
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Ruchi und Baustelle des Muttsee-Staudamms.
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Links hinten Tödi. Rechts der Hinten Schiben und dafür der Griessfirn.
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Limmerenpass mit Kistenstöckli. Dahinter führt der Kistenpass zum Muttsee, mit seinen neu sichtbar werdenden Staumauer.
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Steinbock auf dem Limmerenpass.
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Limmerental mit dem abgelassenen Stausee.
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Limmerenpass. Hinter der Stockspitze das Kistenstöckli. Der Einstieg hinunter ins Limmerenband erfolgt von der Kuppe (mit Steinmann) rechts des Kistenstöckli. Vom Limmerenpass aus ist vielleicht der Abstieg ebenfalls möglich?
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Steinböcke auf dem Limmerenpass.
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Biferenstock-Ostgrat. Zuerst geht es schuttig aufwärts. Dort, wo der Schnee beginnt, ist die Spur erkennbar, die linkerhand in die Flanke hinein und damit zum Bänderweg zieht.
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Kistenstöckli und Piz d'Artgas.
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Wegspur in die Flanke zum.
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Einstieg in den Bänderweg.
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Erster Karstkessel.
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Bänderweg, erster Kessel.
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Bänderweg, erster Kessel: in der Mitte (Punkt 3064) trifft man auf den Ostgrat.
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Bänderweg, erster Kessel: in der Mitte (Punkt 3064) trifft man auf den Ostgrat.
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Bänderweg, erster Kessel: in der Mitte (Punkt 3064) trifft man auf den Ostgrat und ermöglichst den Blick gegen Norden. Griessfirn, Hinter und Vorder Schiben, Selbsanft.
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Bänderweg, erster Kessel: in der Mitte trifft man auf den Ostgrat.
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Bänderweg, erster Kessel.
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Bänderweg, erster Kessel.
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Bänderweg, erster Kessel: gleich ist die Ecke zum zweiten Kessel erreicht.
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