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Eine Ebene höher

Bike & Hike Laax: Vorab Pign, Bündner Vorab, Glarner Vorab, Gletscherhorn, Piz Grisch, Ofen

Obwohl die aussichtsreiche Gegend um und auf dem Vorabgletscher im Winter dank dem Skigebiet rege bevölkert ist, herrscht im Sommer weitgehend Einsamkeit. Dank Fahrstrassen ab Laax ist das Gebiet allerdings ideal für Bike & Hike geeignet, zumal die Postautoverbindung nach Nagens Biker bis auf 2134m befördert und anschliessend bis auf 2800m geradelt werden kann. Bei kompletter Umrundung des Vorabfirns wird auch keine Eisausrüstung benötigt.

Die grosse Vorab-Runde über alle Vorab-Gipfel und rund um den Vorabfirn startet in Laax beim grossen Bushalteplatz in Murschetg, etwas oberhalb des Parkhauses der Bergbahnen (Einfahrt und erste Parkplätze hoch genug für mit Bike auf Autodach). In den Sommermonaten führt eine Postautoverbindung mehrmals täglich die schmale Teerstrasse bis Nagens hoch. Hinten am Postauto können rund fünf Bikes angehängt werden. Nach langer Busfahrt führt die Biketour auf der zu Beginn ruppigen und steilen Fahrstrasse zur Station Vorab Gletscher auf über 2500m. Ich fuhr noch mühsam dem Skilifttrasse entlang etwas hoch bis ich das Bike hinter Gletscherschlifffelsen versteckte.

Umrundung des Vorabfins: Vorab Pign - Bündner Vorab - Glarer Vorab - Gletscherhorn

Zum Sommeraufstieg über den Ostgrat auf den Vorab Pign konnte ich keine Informationen finden. Dies geht so: vor Beginn des untersten Grataufschwunge mit dem abgedeckten Firnüberbleibsel traversiert man auf einem leicht ansteigenden Band südwärts. Anschliessend aufwärts an den Riss mit der am höchsten hinaufziehenden Schutthalde. Am Eingang des Risses kann über die Platte nach links (südwärts) die Felsbarriere einfach überwunden werden, kurz T4, siehe Routenverlauf auf dem Foto. Anschliessend in einem links ausholenden Bogen über Schutt auf den Grat. Man folgt dem zwar steilen, aber einfachen Schuttgrat. Kurz vor dem Gipfel sind ein paar Schieferplatten zu bewältigen, T3.

Vom Vorab Pign wirkt der Ostgrat des Bünder Vorab abweisend und ernsthaft und macht gar nicht den Eindruck von Alpinwandergelände, den ich eigentlich erwartet hatte. Zuerst geht es rasch die 70 Höhenmeter über feinem Schutt über den Westgrat des Vorab Pign in die Senke P. 2827. Hier stellt sich ein brüchiger Aufschwung in den Weg, den ich rund 50 Meter rechts (nördlich) ausholend umgangen bin. Zurück auf dem Ostgrat des Bünder Vorab geht es steil empor, Schuttpartien wechseln mit noch nicht verwittertem Schiefer ab. Bald steht man vor einer Stufe, die ich ziemlich direkt überkletterte. Wenige Minuten später folgt aber ein senkrechter Aufschwung, der grimmiger daherkommt. Die Umgehung sowohl in der steilen Nord- wie auch Südflanke wäre unangenehm wegen dem Schutt, in der Südflanke zusätzlich wegen schrägen Schieferplatten. Ich entscheide mich für die Mitte, direkt hoch: Ein Riss erlaubt das Erklimmen des Aufschwunge in - relativ zur Umgebung wenigestens - erstaunlich festem Gestein, II. Den Turm überwunden, erkenne ich ein dünnes Drahtseil, welches dem Turm entlang südwärts hinabführt. Naja, die kurze Kletterei war mir trotzdem lieber, zumindest im Aufstieg. Der weitere Gratverlauf bietet bis zum Gipfel des Bündner Vorab keine Probleme mehr (Bündner Vorab Ostgrat T4/II).

Vereinzelt Spuren folgend sind die 100 Höhenmeter über den schuttigen Nordkamm des Bündern Vorab zum Vorabsattel rasch vollbracht. Um Skiliftinstallationen herum gelangt man über die recht flachen 90 Höhenmeter zum höchsten Punkt des Glarner Vorab. Hier öffnen sich gewaltige Tiefblicke gegen Elm und die militärischen Landschaftsgestaltung bei Wichlen.

Wiederum gelangte ich in "Neuland", ich wollte den Ostgrat des Glarner Vorab ohne Eiskontakt begehen - es geht. Im Abstieg wird auf rund 2935 Meter eine Steilstufe erreicht. Bei guter Schneelage könnte man diese steil in der Nordflanke umgehen - dann gerne bitte mit Trittschnee, Steigeisen und Pickel. Ich folgte dem Schutttrichter gegen Süden, der bald schon in eine steilere Felsplatte mündet. Diese 30 Höhenmeter hohe Platte ist feintrittig strukturiert und ich konnte sie zuerst gegen rechts (südöstlich) und später mehr oder weniger in Falllinie absteigend nirgends schwieriger als II überwinden. Bei Nässe, Eis oder leichter Schneelage wäre diese Platte aber unangenehm. Ich stand nun auf dem Band, zu welchem über den Gletscher 2016 auch eine horizontale Pistenfahrzeug-Spur führte. Dem Band entlang an den Grat zurück. Im freien Abstieg über den Ostrücken des Glarner Vorabs und in reichlich Zickzack und Auf- und Ab mit Karstlöchern, Restschneefeldern, Tümpeln und Felsbändern gegen das Gletscherhorn.

Das Gletscherhorn hat im Laufe der 2010er Jahre komplett den Anschluss an den Gletscher verloren. Nichtsdestotrotz lohnt sich die kurze, aber abwechslungsreiche Überschreitung des Gipfelaufbaus über den blockigen und plattigen Südwestgrat und den schuttigen Ostgrat dem Tiefblick ins Martinsmad und den Zwölfihörner wegen. Die Felsstufe des Gipfelaufbaus des Ostgrats wird am besten nahe der nördlichen Begrenzung durch einen 1.5 Meter hohen Riss überwunden. Anschliessend im lustigen Auf und Ab und Links und Rechts über das Gletschervorfeld des sich rasch verkleinernden Vorabfirns in freier Routenwahl gegen Süden mehr oder weniger direkt zum Bike.

Die meisten Biker & Hiker dürften mit vier aussichtsreichen Gipfel bedient sein und entweder dem bis Nagens bereits genügend holprigen Aufstiegsweg entlang abfahren oder dem technisch anspruchsvollen Singletrail über den markierten Bergwanderweg entlang ins Tal folgen. Als Zusatzprogramm - oder auch als vollwertige Alternative zur grossen Vorab-Gratrunde - bietet sich die Tour zu Piz Grisch und Ofen an.

Laaxer Stöckli/Piz Grisch - Ofen

Von der Station Vorab Gletscher führt ein guter Fahrweg zum Bündnerbergjoch, ziemlich steil unter den Hochspannungfreileitungen empor, und bis zur Schulter auf 2780 Meter am Westgrat des Piz Grisch/Laaxerstöckli, wo ich das Bike deponierte. Man kann aber auch noch weiter bis zur Bergstation des (Winter-)Sessellifts La Siala fahren. Über den Westgrat oder die Südflanke des Piz Grisch geht es über Schutt einfach zum Gipfel. Im Abstieg bin ich den Südostgrat hinunter und zum Fahrweg gestiegen, alles weglos, maximal T3.

Die Zeit drängte, die Sonne stand tief, Wolken, Nebel, Wind und Kälte waren im Aufkommen, doch der Ofen rufte... Gemäss SAC-Führer soll ein markierter Weg vom Piz Grisch "leicht" zum Ofen führen - dann sollten die 300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg über 2.7 Kilometer für Hin- und Rückweg rasch überwunden sein. Um so mehr war ich dann vom Nordostgrat des Piz Grisch überrascht, als ich da oben an einem überaus brüchigen Felsabsatz stand. Ich stieg vorsichtig die steile Nordflanke aus feuchten Erdtritten, losen Schiefersteinen und Neuschnee ab - plötzlich war ich doch noch froh um den Pickel, ohne wäre ich dort bei diesen Verhältnissen nicht hinunter, diese Stelle T5; im Aufstieg einfacher, da blieb auch der Pickel am Rucksack. Diese Steilstufe im Aufstieg: Von unten führen Spuren in die Ostflanke, der folgende Aufstieg dünkt mich deutlich heikler und länger als die kurze Umgehung in der Nordflanke. Unterhalb der Stufe rasch zum Grischsattel.

Vom Grischsattel ist es noch ein gutes Stück zum Ofen. Da steht noch eine Kuppe P. 2818 im Weg. Die nordseitige Umgehung bringt nicht viel ausser Druckstellen an den Füssen, am besten direkt oben drüber, ostseitig Wegspuren.

Zu Sonnenuntergang war ich via Piz Grisch wieder beim Bike auf 2800 Meter Höhe. Damit war auch zeitbedingt der Singletrail abgehakt und in der Dauenenjacke ging es 1800 Höhenmeter hinunter via Nagens und der dann schmalen Teerstrasse nach Laax. Die Strasse war in den Kurven mit wenig, aber fiesem Kies gesplittet... aufpassen.

1925 Höhenmeter Aufstieg (davon 800 Höhenmeter mit Bike ab Nagens, bis dort mit Postauto), 2970 Höhenmeter Abstieg (und Abfahrt) über 38.6km. Tourdatum: 30.9.2016
» GPS-Track (GPX)


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Postauto-Endstation zum Aussteigen in Nagens.
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Schotterpiste führt von Nagens zum Vorabfirn.
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Blick zum Laaxer Stöckli.
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Vorab Pign Ostgrat.
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Aufstieg am Vorab Pign Ostgrat.
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Schwachstelle am Vorab Pign Ostgrat: hier vom Schutttrichter die Stufe gegen links auf einem Band überwinden, im Bild entlang der Bildmitte gerade aufwärts.
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Schwachstelle am Vorab Pign Ostgrat im Rückblick.
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Am Ostgrat vom Vorab Pign herrscht Schutt vor.
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Am Ostgrat vom Vorab Pign herrscht Schutt vor.
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Gletscherhorn von Süden. Wird später in seinem Profil überklettert.
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Ostgrat vom Vorab Pign, vor dem Gipfel noch
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Der Ostgrat vom Bündner Vorab sieht vom Vorab Pign ernsthaft aus. Löst sich als T4/II.
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Der Vorabfirn verändert sich stark. Die Skiliftmasten müssen immer wieder neu platziert werden.
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Ostgrat Bündner Vorab. Erster Aufschwung habe ich rechts um den Schnee umgangen. Dann praktisch alles am Grat.
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Stufe am Ostgrat Bündner Vorab, ich bin wo möglich direkt drüber, an den oben sichtbaren Felsen ein eher exponiertes II.
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Diese Stufe wirkt von der Seite wie ein Gratturm. Ich habe sie durch den sichtbaren Riss erklommen, etwas einfacher als in der unteren Stufe.
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Der Gratturm von oben: statt direkt über die Kante (und den Riss) führt ein dünnes Drahtseil in die Südflanke. Wegen den schuttbeladenen abschüssigen Platten nicht meine 1. Wahl. Das Drahtseil ist im Aufstieg nicht direkt zu sehen.
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Nach dem Gratturm geht es problemlos zum Gipfel des Bündner Vorab.
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Vorabfirn vom Bündner Vorab. Rechts der überschrittene Grat zum Vorab Pign.
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Vom Bündner Vorab schweift der Blick gegen Westen.
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Gletschersee westlich vom Bündner Vorab.
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Blick entlang des Ostgrats vom Bündner Vorab und dem Vorabfirn. Oben rechts Vorab Pign. Es geht 2016 noch nicht gletscherlos von der Station Vorab in den Sattel P. 2827,
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Der später abgestiegene Ostgrat vom Glarner Vorab. Die Route zur Umgehung der Steilstufe über die Platte ist eingezeichnet.
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Glarner Vorab vom Bündner Vorab.
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Bündner Vorab vom Glarner Vorab. Im Ostgrat ist (links) der kleine Grataufschwung zu sehen, sieht harmloser aus als er ist.
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Ostgrat Glarner Vorab. In Bildmitte der Beginn der Steilstufe. Der Vorabfirn reicht nicht mehr zum Gletscherhorn und zum später bestiegenen Piz Grisch und Ofen ist es eine weite Strecke, 5 km Luftlinie.
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Tiefblick vom Glarner Vorab nach Wichlen.
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Tiefblick vom Glarner Vorab nach Elm. Rechts die Zwölfihörner.
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Nordflanke vom Glarner Vorab. Hier hinunter könnte bei mehr Trittschnee die Steilstufe im Ostgrat auch überwunden werden.
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Steilstufe im Ostgrat vom Glarner Vorab.
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Die abgestiegene Platte am Ostgrat vom Glarner Vorab.
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Die abgestiegene Platte am Ostgrat vom Glarner Vorab.
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